friesland zwanzig, während im Gebiete von Bremen, dessen Erzbischöfe schon insehr früher Zeit die Ränder des Moors zu kolonisieren suchten, der Name ,,Fehn"überhaupt nicht gebräuchlich ist und die betreffenden Anlagen schon zufolgeder sie durchziehenden Landstraßen einen abweichenden Charakter tragen.Unter ihnen ist Papenburg an der Ems für das älteste und größte bekannt.Ein weitblickender, opferfähiger Mann, Dietrich von Veelen, hat es ins Lebengerufen. Als er im Jahre 1675 den Gedanken der Anlage faßte, fand er außerder verfallenen Sumpf bürg jenes Namens nichts als einige elende, mitten imMoor verlorene Hütten vor, und da niemand Lust trug, sich an dem hoffnungs-losen Unternehmen zu beteiligen, vermochte er nur erst durch Versprechungengroßer Freiheiten eine Schar holländischer Kolonisten herbeizuziehen. Vondem Augenblicke an begann das Moor zu verschwinden. Jetzt, nachdem fastzwei Jahrhunderte vergangen, erhebt sich an der Stelle jener Torfhüttenauf einem Umfange von zwei Stunden eine Stadt, die 780 Häuser und 3 Kirchenzählt, die eine Navigationsschule und eine Handelsflotte von mehr als 180größeren und kleineren Schiffen besitzt und sich immer steigenden Wachstumserfreut.
Ja, man hat berechnet, daß die Gemeinde von Papenburg in ihren noch unbear-beiteten Moorfeldern, — den Kubikfuß des schwarzen Schlamms zu einemPfennig angenommen — noch ein Vermögen von mehreren Millionen Talernunter der Erde stehen habe. (Hermann Masius, Geographisches Lesebuch,1874.)
REISE IN DEN BALTISCHEN MARKEN
Wir hatten uns endlich aus dem altfränkischen, inhaltreichen, schmackhaften,kompakten, deutschen Kerne der Stadt Riga langsam hervorgearbeitet undtrabten nun etwas rascher in der neuen, buntfarbigen, schmucken, lockeren,weitläufigen Schale der Vorstädte, welche die Russen der alten, finsteren,gotischen Stadt wie einen mit unechtem Golde gestickten Mantel umgelegthaben. Das Pflaster wurde besser, die Pferde lebendiger, und es dauerte dennauch nicht lange, so rollten wir munter und flink zur letzten Sastawa derRigaischen Vorstadt hinaus, in die russischen Kohlgärten, die sich weithindehnten, hinein und endlich mitten auf das flache Feld. Ich blickte noch einigeMale auf das alte Riga zurück, das allmählich mehr und mehr aus unseremHorizonte verschwand. Die Häuser verloren sich zuerst in dem dichtenNebel, der die Stadt überzog. Nur die goldenen Kuppeln der St. Peterskircheund dann der hohe Turm des Doms ragten noch darüber hervor und bezeich-neten den Wohnort der 50 000 Rigenser. Endlich verschlang auch diesehohen Riesen ein niedriges Gebüsch, in das wir einbogen. Wir fuhren langedarin hin, und als wir wieder daraus hervortauchten, war auch die letzte Spurvon Riga verwischt, und wir befanden uns in einer dem Anscheine nach völlig
öden Wüstenei.--------
Sand und wieder Sand, Heide, Sumpf und Wald waren die einzigen einför-migen und stets wiederkehrenden Abwechselungen, die sich unseren Augenzum Genüsse darboten, und so waren wir denn hier sehr geneigt, derjenigenvon den verschiedenen ethymologischen Ableitungen des Namens Livland
205