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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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folgen bis zum Bourtanger Moos, wo das Auge stellenweise nicht einmal einenStrauch mehr über den Boden sich erheben sieht, dem Wanderer zum Wahr-zeichen, daß er jetzt wirklich auf echt nordostholländischem Boden angelangtsei. (W. H. Riehl, Wanderbuch, 1869.)

DÜNEN

Die Kreidefelsen Rügens und Englands bestehen bekanntlich aus den kalkigenResten eines zum Teil noch formlosen Tierlebens, die Koralleninseln des In-dischen Ozeans aus den Polstern unterseeischer Polypenstämme, die Dünen,deren lange Kette die Küste unserer Meere umgibt, bestehen aus Sand. Essind eben in der Natur wie im Menschenleben oft die unscheinbarsten Mittel,welche die größten Wirkungen hervorbringen. Aber es genügt nicht, dasSein zu erkennen, wir fragen billig nach dem Werden. Und während nunfreilich nur die dürftigen, aus gewaltiger Tiefe geschöpften Proben des Meer-grundes eine Kunde geben, ob und wie etwa noch gegenwärtig sich Kreidebilde, während auch das Wachstum der Korallenbänke nur für eine durchJahrzehnte und Jahrhunderte fortgesetzte Beobachtung unzweifelhaft wahr-nehmbar wird, so entstehen dagegen die Dünen fast unmittelbar vor unseren

Blicken.--------

Die Entstehung der Dünen läßt sich auch bei stiller See beobachten. Dennununterbrochen wühlen die Wasser den leichten Sand des Grundes auf, undindem sich jede Welle damit belädt, tragen sie ihn weiter und weiter, bis dieletzte am Ufer hinanrollend ihn fallen läßt. Zwar reißt die zurückströmendeihn zum Teil wieder mit sich fort, aber ehe er noch das Meer erreicht, begegneter einer zweiten mit Sand geschwängerten Woge, die ihn zum zweiten Maledie Böschung hinaufschiebt, und so wiederholt sich endlos dieses Spiel, einglitzerndes Körnchen ans andere reihend. Feucht und schwer, wie einetriefende Decke, liegt der Sand auf dem Strande, der Fuß würde darüber hin-schreiten können, ohne einzusinken. Aber allmählich, wenn mit der ein-tretenden Ebbe die Wogen sich zurückziehen, ändert sich das Bild. DerStrandläuft trocken". Indem unter dem Strahle der Sonne die Feuchtigkeitverdunstet, welche die Atome zusammenkittete, lösen sich dieselben vonein-ander, und vom Winde emporgehoben, treiben sie schwirrend über das Gestadehin. Wäre das letztere völlig eben, so würde auch der Meersand sich in völligebener Schicht darüber breiten. Aber jede Ungleichheit des Bodens verändertoder hemmt die Bewegung, ein bloßer Krautbüschel, ein Kiesel, die geringsteErhebung zwingt den Wind, seinen Staub sinken zu lassen, und nun setztsich unscheinbar ein Häufchen oder eine Linie Sandes auf der Fläche an,gleichsam die Skizze, die Grundlinie der werdenden Düne. Hat sie heute nurdie Länge oder Breite eines Fingers, so wird sie in einer Woche fußhochaufgewachsen sein, und nach Monaten zeigt sich schon ein Hügel, ein kleinesTal. Das ist in einfachen Zügen die Geschichte jeder Düne. Der Bewohnerdes Binnenlandes aber kann sich eine ihr wenigstens nahekommende Vor-stellung machen, wenn im Winter der Sturm die Flocken wirbelnd über dasBlachfeld treibt und auch hier ein Busch oder ein Block den ersten Ansatz-punkt für hochansteigende Schneewehen abgibt.

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