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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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Durchwandert man diese merkwürdigen Sandregionen, so ergreift ein seltsambeklemmendes Gefühl das Gemüt. Einförmig und einsam ziehen die hagernRücken, die hohlen Täler dahin, kaum daß an feuchter Stelle ein frischererPflanzenwuchs das Auge erfreut, und fängt sich die Glut der Sommersonnein diesen Gassen und Kesseln, so mag man sich jener Stelle des DantischenInferno erinnern, wo die Sünder in tiefem leben- und schattenlosen Sandeirren, indes vom Himmel Feuerfunken niederfallen,wie Schnee bei stillerLuft auf einer Alpe fällt". Nur eins bringt Bewegung in die Öde, das ist derWind. Jeder Lufthauch spielt mit dem losen, lockern Geriesel, und erhebtsich der Wind stärker, steigert er sich zum Sturm, dann entwickeln sich wahr-hafte Wüstenszenen. Dröhnend scheint die Erde zu beben. Aber mitten durchSturm und Brandung hört man das rasselnde Zusammenschlagen der Dünen-halme und das Wirbeln des Sandes, der verfinsternd den Luftraum erfülltund hagelartig herabschlägt. Und nicht nur Sand und Staub alles, wasder Wind erraffen kann, Kies, Muscheln, Scherben reißt er empor und mitsich fort in mächtigen Tromben und Wolken, um weithin das Land mit derchaotischen Saat zu überschütten. So wird die Düne flüchtig. Sie wandert,und wandernd begräbt sie, ohne eigentlich zu vernichten, Felsen und Bäume,Brunnen und Teiche, Felder und Wälder, Dörfer und Städte. Denn derart istdie Beweglichkeit der Düne, daß selbst, wenn die Wogen den Fuß derselbenunterwaschen und wieder ins Meer ziehen, der Gipfel nichtsdestoweniger gegendas Festland vorrückt. Von einer Seite schon zerstört und zerfallend, ver-schlingt sie noch auf der anderen, gleich jenen gefräßigen Reptilien, die zer-stückt und zerschnitten dennoch von ihrer Beute nicht lassen.Wie viele Strecken fruchtbaren Erdreichs auf solche Weise im Laufe der Jahr-hunderte verlorengegangen sind, wird nur annähernd abgeschätzt werdenkönnen, da die Schnelligkeit, mit welcher die Dünen vordringen, an den ver-schiedenen Küsten sehr verschieden ist. Während dieselbe an der Nordseeim allgemeinen jährlich nicht über 2 Ruten beträgt, rückte das gewaltigeDünenfeld zwischen den Mündungen des Adour und der Gironde mit einerjährlichen Geschwindigkeit von 20 bis 25 Meter vor. Der Hergang aber warund ist dabei allezeit der gleiche: das Meer zernagt die Küste, löst sie aufund schiebt dann die ungeheure Sandwelle wie ein bewegliches Gebirge vorsich her. Es liegt fast etwas Dämonisches in dieser Erscheinung, und wohlbegreift sich die Erbitterung, mit welcher der Mensch gegen den unfaßbaren,unentfliehbaren Feind ankämpft. Gerade die Chronik der deutschen Küstenund Inseln weiß zu berichten von diesem verzweifelten Ringen. Schritt fürSchritt wurden da die Felder, die Häuser verteidigt, und wenn nichts mehrzu retten war, suchte man wenigstens noch die Kirchen zu halten. Man wolltedie heilige Stätte nicht preisgeben, und nachdem längst die Pforten versperrtwaren, stieg die Gemeinde noch durch das Fenster ins Gotteshaus, und derGeistliche predigte statt von der Kanzel von einem Sandhügel, bis zuletzt nichtsübrigblieb, als den Bau abzubrechen und vielleicht für ein neues Jahrhundertauf gesicherterer Stelle wieder aufzurichten.

Dennoch hat die Natur auch hier nicht alle Hilfe versagt. Ihr Werk ist viel-mehr ein gedoppeltes, denn sie setzt den Sand nicht nur in Bewegung, son-

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