alten Friesentums zuletzt auf Nordstrand auch schon eine holländische Ein-wanderung des 17. Jahrhunderts fänden, dann schifften wir hinüber nachHelgoland, dem sagenhaften äußersten Vorposten der Nordfriesen, dann nachWangerooge und nun weiter von Insel zu Insel durch die ganze Kette bis zumTexel. Dieser überaus merkwürdige Inselweg würde uns niederdeutschesund niederländisches Wesen aufs innigste verbunden zeigen, aber auch zu-gleich in seiner äußersten Abgeschlossenheit von festländischer Kulturent-wicklung. Auf der Küste zwischen Elbe und Ems hemmen die Naturwegeder Flüsse fort und fort unseren Gang von Ost nach Westen und ziehen unssüdwärts zum Binnenlande zurück oder nordwärts weit übers Meer hinaus,hier dagegen erkennen wir, daß niederdeutsche und niederländische Friesendoch einer gemeinsamen Straße gefolgt sind, dem Meere. Das Meer ist dereinzige Naturweg, welcher alle Friesenstämme verbindet, als ein echtesKüsten- und Inselvolk. Allein auch dieser Weg ist jetzt nur eine ideale Linie,die nicht in den Kursbüchern für Reisende verzeichnet steht und schwierigerund umständlicher zu bereisen wäre, als irgendein anderer deutscher Wegnach Holland.
So zieht er denn diesmal auch nur als ein Phantasiebild mit den zum Meerehinaussegelnden Schiffen an unserm Geist vorüber, wir erreichen auf unsererEibfahrt das linke Ufer, übersteigen den hohen Damm und befinden uns nunim Lande Kehdingen auf echt niedersächsischem Boden. Die Wassergräben,Gräften, rings um die Gehöfte erinnern uns bereits an die holländischenGrachten, und zum ersten Male betritt unser Fuß hier einen mit Backsteinengepflasterten Feldweg, das Vorspiel der holländischen Klinkerwege. Diesund ähnliches sind verwandte Einrichtungen, welche zunächst nur durchdie verwandte Natur des Bodens bedingt zu sein brauchen.Wir wandern der Eibmündung parallel zur Oste und setzen bei Geversdorfüber diesen Fluß, der uns seinerseits gleichfalls jene Verwandtschaft hollän-disch-niederdeutscher Bodenbildung naherückt. Die Breite des Wassers über-rascht uns. Der Binnenländer hätte bei einem Flüßchen von so kurzemLaufe eine Brücke, wohl gar einen Steg erwartet, allein die Oste ist hier an600 Fuß breit und trägt mit der Flut schon Seeschiffe. Wir lernen also zumerstenmal jene Küstengewässer des Moor- und Marschlandes kennen, dieauf der Karte gar klein und verächtlich aussehen, verfehlt aber der Fuß-wanderer, welcher sich seinen Weg selber sucht, Ort und Zeit zur Überfahrt,so kann ihm ihre stille Tücke ebenso schwer zu schaffen machen, wie eintobender Bergstrom im Hochgebirge. Das ist dann wieder eine gute Lehrefür Holland.
Jenseits der Oste beginnt das Land Hadeln, gleichfalls noch ein Stück echtenSachsenlandes. Betrachten wir zunächst den hohen Damm längs der Eib-mündung. Er steigt bis zu 40 Fuß und bietet nicht nur unsern Füßen einenWeg, sondern auch unsern Gedanken einen Wegweiser gen Westen. Es istgar lustig oben auf dem Damm zu gehen, ,,op dem Dieck", wie die Leutesagen, und auch der Holländer sagt Dijk gleich dem Niederdeutschen, wäh-rend der Oberdeutsche nur aus Büchern weiß, daß Deich einen Damm be-deutet. Technisch genau heißt aber der Oberteil des Deiches „die Kappe",
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