eigenes Leben, nun fängt er an, erst langsam und unmerklich, bald aberschneller sich zu bewegen, schon krachen unter ihm die kleinen, untergelegtenBretter, und sieh, jetzt gleitet er mit immer zunehmender Geschwindigkeitins Meer! Tief taucht sich der Schnabel ein, bis das Wasser die ganze Masseträgt, ebenso tief versinkt jetzt wieder das Hinterteil, die Fluten laufen hocham Ufer hinauf, und die umliegenden Schiffe schwanken hin und her. Esjauchzt und frohlockt die Menge der Waghälse, die auf dem neuen Triton überunsern Köpfen wegfahren, sie schwenken ihre Hüte, und ein lauteres Jubel-geschrei vom Lande übertönt ihre Stimmen.--------
Nicht dem Auge allein, sondern auch dem Verstand erscheint Amsterdam vonder Wasserseite in seinem höchsten Glänze. Ich stelle mich in Gedanken indie Mitte des Hafens und betrachte links und rechts die Gruppen von vielenhundert Schiffen aus allen Gegenden von Europa, ich folge mit einem flüch-tigen Blick den Küsten, die sich nach Alkmaar und Enkhuisen erstreckenund auf der anderen Seite hin den Busen des Texels bilden. Die Stadt mitihren Werften, Docken, Lagerhäusern und Fabrikgebäuden, das Gewühl desfleißigen Bienenschwarmes längs dem unabsehlichen Ufer, auf den Straßenund den Kanälen, die zauberähnliche Bewegung so vieler segelnder Schiffeund Boote auf dem Südersee und der rastlose Umschwung der Tausende vonWindmühlen um mich her, — welch ein unbeschreibliches Leben, welche
Grenzenlosigkeit in diesem Anblick!--------
In einer kleinen Stadt fällt das Gewühl mehr auf, als hier, wo man Raum hat,einander auszuweichen, allein es gibt auch in Amsterdam Gegenden, wo mansich nur mit Mühe durch das Gewimmel in den engen Gassen durchdrängenkann. Den ganzen Tag herrscht überall ein unaufhörliches Getöse, die un-zähligen Equipagen der Bürgermeister und Ratsherren, Staatsbeamten, Direk-toren der Ostindischen Kompagnie, Ärzte und üppig gewordenen Reichen, derununterbrochene Warentransport und die deshalb so oft aufgezogenen Zug-brücken sperren den Weg und verursachen ein beständiges Rufen und Gerassel,vom frühen Morgen an schreien Männer und Weiber auf allen Straßen man-cherlei Sachen zu verkaufen aus, die Kirchtürme haben Glockenspiel, und desAbends wandern Leiermänner und singende Weiber umher. (Georg Forster,Ansichten vom Niederrhein, 1791/1794.)
NIEDERLAND AN DER NORDSEE
Wie im Hochgebirge der Berg zum Berg unwiderstehlich lockt, wie es uns inden Vorhügeln keine Ruhe läßt, daß wir vom Hügel zum Berg, dann hinaufzu Grat, Kamm und Spitze, bis endlich zu den Schneegipfeln vordringenmöchten, so lockt auch in verwandtem Zauber ein Mündungstrichter zumfreien Meeresrand und die offene Küste zur hohen See. Wir möchten wohl liebergleich eine friesische Seefahrt nach Holland machen, statt einer Wanderung.In der Tat wäre eine solche Fahrt höchst anziehend und lehrreich. Sie dürfteaber nicht in der Eibmündung beginnen, sondern an der NordwestküsteSchleswigs bei den nordfriesischen Inseln, wo wir neben den Überresten des
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