Entstehung und Alter bei uns niemand etwas zu sagen weiß, und die bei unsder Zufall gebildet zu haben scheint, die aber in den Niederlanden planmäßigausgesteckt, vermessen und mit Kiesel sorgfältig gepflastert oder von Klinkersgebaut sind, haben ihre Geschichte. Jeder dieser kleinen Fußsteige hat vielNachdenkens, viele Kosten, deren Beschaffung von mancherlei Hindernissenbegleitet war, veranlaßt. Ein holländischer Dorfbewohner erzählte mir ein-mal von der Entstehung eines seinem Dorfe sehr nützlichen Klinkerfußweges,der gar nicht habe zustande kommen wollen, erstlich weil die Dorfbewohnerüber seine Richtung nicht einig werden konnten und auch die dazu nötigenLandabschnitte nicht hergeben wollten, der sehr viele verwickelte Verhand-lungen und Beratungen verursachte, und der endlich mit Hilfe eines groß-mütigen und das nötige Geld vorschießenden, jetzt längst verstorbenen reichenMannes gesegneten Andenkens doch gebaut ward.
Wie auf dem Festlande, so zeugt in den Niederlanden auch beim Wasser allesvon historisch dokumentierter Wirksamkeit des Menschen. Wie die Sand-berge, die Wälder, die Inseln, der ganze Boden auf sein Geheiß so oder so er-wachsen sind, so standen auch die Gewässer unter seiner beständigen Kon-trolle, ergossen sich auf sein Geheiß in dieser oder jener Richtung. Die Wasser-werke der Holländer, ihre Kanäle und Schleusen sind wahre Riesenarbeiten,an denen zuweilen ganze Geschlechter der Menschen wie an den PyramidenÄgyptens tätig waren, und die sie nach vielfachen Anstrengungen, derenhistorische Darstellung das Talent eines Geschichtsschreibers ebenso in An-spruch nehmen würde, wie die einer militärischen Expedition oder einerVölkerwanderung, zustande brachten. Alle diese langwierigen Gebilde sindsichtbar in den Boden des Landes hineingewachsen, so wie die Dokumenteihrer Entstehung in den Archiven der Nation aufbewahrt werden. Selbst diegroßen Ströme des Landes, die jetzt ganz freie Schöpfungen der Natur zusein scheinen, datieren zuweilen von einer menschlichen Tätigkeit her undführen in ihrem Ursprünge auf ein historisches Ereignis zurück. Ein Drususoder Germanicus war es, der einen Graben ausschaufeln ließ, und ein großerStrom, wie die Yssel oder Merwe, entstand daraus.
Auch die Seen und Binnenmeere des Landes sind in ihrer Bildung nicht un-erforschlich wie die Seen der Alpen. Man weiß vielmehr von den meisten an-zugeben, wie und wann sie entstanden, ob sie von Menschen selber als Kanälespeisende Bassins angelegt wurden, und zu welcher Zeit sie so oder so weitgetrocknet, ausgepumpt oder beschränkt wurden. — Weil der Boden hierüberall dem Menschen so teuer und wertvoll war, so sind denn auch die ver-derblichen Ein- und Übergriffe des Meeres seit Jahrhunderten von den Men-schen beobachtet worden, und solche Ereignisse haben sich sehr lebhaft demGedächtnis der Nation eingeprägt. Man weiß die Geschichte jedes Meerbusensund jeder kleinen, auf den Karten verzeichneten Bucht. Man überwachtbeständig die Bewegungen und Tendenzen des flüssigen Elements und hältBuch und Rechnung darüber, an welcher Stelle es geneigt sein möchte, sichzurückzuziehen, an welcher es eine drohende Miene zu verderblichen Ver-suchen angenommen hat.Während wir daher bei uns nur in den Städten und Gebäuden Zeugen der
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