wunderbar hinausragen und ein Gefühl von Sicherheit und ruhiger Wohnungin dieser schattigen, mit unendlichem Reichtum abwechselnder Formen ge-schmückten Gegend einflößen. O, dies ist das Land der lieblichen, der kühlenSchatten 1 Hier begrenzen die hochbewipfelten, schlanken Ulmen, Espen,Pappeln, Linden, Eichen und Weiden jedes Feld und jeden Weg, jeden Grabenund jeden Kanal, hier laufen sie meilenweit fort in majestätischen Alleen,bekleiden die Heerstraßen oder sammeln sich in Gruppen auf den weitenEbenen und den Anhöhen, um die zerstreuten Hütten und um die stillenDörfer. Der Teppich der Wiesen ist in diesen nassen Tagen herrlich grüngeworden, die Weizenäcker schimmern mit einer wahrhaften Smaragdfarbe,die Knospen der Bäume wollen trotz dem kalten Hauch der Nordwinde ihrenReichtum nicht länger verschließen, die Kirsch- und Bim- und Äpfelbäumein den Gärten, die Pfirsich- und Aprikosenbäume an den Mauern öffnenmitten im Regen ihre Blüten. Bei dieser üppigen Pracht des Frühlings ent-behrten wir dennoch den Anblick der Dünen und des Meeres, den uns derNebel neidisch verhüllte. Jener unermeßliche blaue Horizont, der sich an dieWölbung des azurnen Himmels anschließt, muß der hiesigen Aussicht eineerhabene Vollkommenheit geben, die nur in wenigen Punkten unserer Erdeerreicht werden kann. (Georg Forster, Ansichten vom Niederrhein, 1791/1794.)
HOLLAND
Holland ist in eine zahllose Menge kleiner Stücke, die sogenannten Polderabgeteilt. Jeder dieser Polder hat seine eigene mehr oder weniger bekannteGeschichte. Man weiß ungefähr, wie alt er ist, wann er dem Meere abgewonnenwurde, wie er so allmählich heranwuchs, und zu welcher Zeit er umdeichtund dem Pfluge übergeben wurde. Fast jedes Stück Boden hat ein verschie-denes Alter und eine verschiedene Geschichte. Ganz Holland wurde so gleich-sam mühselig, wie ein Schachbrett, Scholle für Scholle zusammengestücktund aufgebaut. Polder wurde an Polder gereiht, wie in einem Bienenkorbe
Zelle an Zelle.--------
Wilde phantastische Urwälder, worin ohne authentische Anhaltspunkte derhistorische Forscher ratlos schweift, gibt es hier nicht. Jeder Baum ist vonMenschenhänden vor fünfzig, hundert oder zweihundert Jahren gepflanzt undunter menschlicher Aufsicht erwachsen. Und ist ja ein Gehölz oder einWäldchen da, so ist es ebenfalls ein künstlich angelegtes, das seine Geschichte,sein eigenes Archiv hat. Selbst die Berge des Landes, die Dünen sind zumTeil Schöpfungen des Menschen, absichtlich da oder dort, zu der und der Zeit,so oder so hoch emporgetempelt. Die Inseln, welche in den Flüssen oder ander Küste liegen, sowie die Halbinseln und Vorgebirge hat der Mensch plan-mäßig zurechtgeschnitten. Der Mensch hat sie den wildwaltenden Kräften derNatur, die anderswo nach ihrem blinden Gutdünken den Ländern ihre Phy-siognomie und äußere Umgebung gaben, entzogen und sie in diese oder jeneForm gegossen, wie ein Erzgießer die Teile seiner Statue, und hält sie auchin dieser Form fest. Die Wege, nicht nur die Chausseen und großen Land-straßen, sondern auch selbst die kleinen Fußwege und Feldsteige, von deren
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