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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
193
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Da in diesem Becken buchstäblich nie ein Wind weht, so ruht das Wasserunbeweglich, und der Wald und die grauen Felsen und der Himmel schauenaus seiner Tiefe heraus wie aus einem Ungeheuern schwarzen Glasspiegel.Über ihm steht ein Fleckchen der tiefen, eintönigen Himmelsbläue. Mankann hier tagelang weilen und sinnen, und kein Laut stört die durch dasGemüt sinkenden Gedanken, als etwa der Fall einer Tannenfrucht oder der kurzeSchrei eines Geiers.

Oft entstieg mir ein und derselbe Gedanke, wenn ich an diesen Gestaden saß:als sei es ein unheimlich Naturauge, das mich hier ansehe tiefschwarzüberragt von der Stirne und Braue der Felsen, gesäumt von der Wimperdunkler Tannen drin das Wasser regungslos, wie eine versteinerte Träne.Rings um diesen See, vorzüglich gegen Bayern ab, liegen schwere Wälder,manche nie besuchte einsame Talkrümme samt ihren Bächlein zwischen denbreiten Rücken führend, manche Felsenwand schiebend mit den tausendan der Sonne glänzenden Flittern und manche Waldwiese dem Tagesglanzeunterbreitend, einen schimmernden Versammlungssaal des mannigfachstenWildes. (Adalbert Stifter, Der Hochwald, 1841.)

DER SPREEWALD

Der Spreewald ist ein mehrere Geviertmeilen großes Gebiet zwischen Kottbusund Lübben in der preußischen Provinz Brandenburg, in welchem sich dieSpree in ein Netz zahlloser Arme und Wasseradern zerspaltet. Auf der langenStrecke von neun Meilen zeigt sich der träge rinnende Fluß in ersichtlicherVerlegenheit über den einzuschlagenden Weg, indem er bald hier- bald dorthineinen Zweig abschickt. Die dadurch entstehenden Inseln von zum Teil fastvollkommener Ebene sind großenteils reich bewaldet und außerdem mit Wiesenund Feldfluren bedeckt. Der Spreewald ist eine Fläche, auf welcher der Ge-brauch des Wagens ebenso unnötig wie unmöglich ist, er bildet ein vielfachsich verzweigendes Kanalsystem, dessen Arme einem Blattadernetz gleichhundertfältig ineinander einmünden. Es ist ein Venedig des Waldes. DerJäger beschleicht das Wild im Nachen, den er mit lautlosen Ruderschlägenlenkt, wie das Vieh im Nachen zur Weide und das Heu in die Speicher geführtwird. Nur wenn der Winter die flüssigen Wege gefestigt hat, ist die Holz-abfuhr auf dem Eise möglich. Auf dem Nachen fahren die Kinder zurSchule, die Alten zur Kirche. Alle unsere deutschen Laubbäume sind hierin Prachtexemplaren heimisch, auf etwas trocknen Stellen findet sich sogarNadelholz ein. Auf kleinen natürlichen Erhöhungen liegen im Schattenmächtiger Bäume die ländlichen Güter, wie kleine Burgen von einem Wall-graben umflossen. (E. A. Roßmäßler, Der Wald, 1871.)

FLANDERN

Die unabsehlichen Gefilde von Flandern, Hennegau und Artois liegen aus-gebreitet da und verlaufen sich in die dunkelblaue Ferne, wo nur die hohenKirchtürme von Bergen, Dünkirchen, Fürne, Ypern und anderen Städten

14 Wolters, Der Deutsche. V, 2.