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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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und Tiefebenen, die wieder von Hügelreihen durchschnitten sind, engeSchluchten mit weiten Tälern abwechselnd eine Mannigfaltigkeit derFormen, wie man sie sich im sächsischen Flachlande und märkischen Sandenicht träumen läßt. Welche Gegensätze, und wie nah oft zusammengerückt!Hier begegnet dem Auge des Reisenden eine großartig wilde Natur von Granit-blöcken, dürren Heideflächen und schwarzem Moorgrunde, aus vormaligemSeeboden und uraltem Bruche treten soeben erst einige Wiesen hervor, dieAckerfelder mit ihren von Granittrümmern gebildeten Zäunen sind eben erstdem widerstrebenden Felsboden abgerungen worden und schauen aus dendunkeln Tannenwäldern wie grüne Oasen hervor. Der Eigentümer hat sichselbst die Baumstämme zu seiner Wohnung gefällt, und rings um dieselbelagert sich patriarchalisch sein Besitztum von Wiese, Acker und Wald, alleszusammen. Die kleine Herde weidet, von seinen Kindern bewacht, in derNähe, kein Laut von dem geräuschvollen Treiben des Weltlebens dringt indiese Stille. Sieht man dazu noch im Böhmerwalde die vom Winde gefälltenBaumstämme unbenutzt vermodern, weil hier noch kein Bedürfnis vorhandenist, das Holz weiter als aus der nächsten Umgebung zu holen: so erscheinen

die Bewohner wie eben sich ansiedelnde Anbauer einer neuen Welt.--------

Indem sich aber die Natur des böhmischen Landes, von dieser Seite betrachtet,noch völlig neu, jugendlich frisch und einer großen Entwicklung fähig dar-stellt, so erinnern andererseits die vielen Trümmer alter Burgen, die uraltenStädte und Dörfer, die fruchtbaren, seit Jahrhunderten durchfurchten Acker-fluren, die Denkmäler gewonnener und verlorener Schlachten an die reiche

geschichtliche Vergangenheit, welche das Land bereits hinter sich hat.-------

Bei dem Anblicke der zahlreichen Eisenwerke, Maschinenwerkstätten, Lein-wand-, Porzellan-, Glas- und Kattunfabriken fühlt man sich ganz in der in-dustriellen Gegenwart, und wiederum bei dem Anblicke der zahlreichenMineralquellen, die heiß und kalt aus verborgener Tiefe hervorsprudeln, dersonderbaren Gasquellen, die in aufschäumenden Bläschen dem mineralischenMoore entströmen, der Klingsteinberge und Basaltkegel, welche einzeln undmassenweis die Erdrinde durchbrochen haben, da wird man ganz in die Ver-gangenheit zurückgeworfen, in die alten grauen Zeiten, wo Neptuns Gesellenund Plutos Geister in heißem Kampfe entbrannten. Seit Jahrhunderten, werweiß wie vielen, entströmen diese Gase und Heilwasser der mütterlichen Erdeund werden aus verborgener Tiefe heraufkommen, wer weiß wie lange?Man ist bei dem Anblicke des gewaltigen Karlsbader Sprudels noch immer indem Falle jenes Bauern, der die Küche zu sehen wünschte, wo man das heißeWasser koche. Das vulkanische Produkt, der Basalt, spielt in keinem Landeeine solche Hauptrolle, wie in Böhmen. Der Donnersberg bei Milleschau,dieser Riesensohn vulkanischer Gewalten, ist mit seiner Höhe von 2641 Fußder höchste Basaltberg, den wir kennen.

Mit dieser vulkanischen Natur des Landes stimmt vielfach seine Geschichteüberein, auch diese hat etwas Abenteuerliches, Pittoreskes, Gewaltiges. Mandenke an Ottokar, Huß, Cziska (Tschischka), Wallenstein 1 Ein plötzlichesAufleuchten, aber auch ebenso plötzliche Finsternis, gewaltige Kräfte, dasgewohnte Gleis des Lebens kühn durchbrechend und über die gemeine Ober-

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