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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Donaustiftes Gottweih auf einem 700 Fuß hohen Berge hervorragen. Siebedecken, wie die Burgen von Zion, den ganzen, ziemlich breiten Rückendieses Berges, der mitten in einer weit und breit ausgedehnten schönen Ebeneliegt. Weingärten bekränzen überall die Hügel, welche sich zu den Seitender kleinen Städte erheben. Im Vor der gründe und in der Mitte auf dem sich

krümmenden Flusse bewegen sich Schiffe hin und her.--------

Die schöne Abtei Gottweih bleibt noch lange als letzter Trost für all das Ver-lorene sichtbar. Diese ganze Gegend, die ihr tributpflichtig ist, beherrschtsie auch mit ihrem erlabenden Anblicke. Selbst über die Spitzen des Weiden-gestrüppes der Auen und Inseln bei Hollenburg sahen wir ihre fernen Gebäudenoch dahinziehen und endlich am grauen Horizonte wie ein fernes Gewölkchenverschwinden.

Das schöne Wien breitete sich unter unseren Füßen aus. Es war ein herr-licher, ruhiger, klarer Sonnentag. Wir hörten und sahen alles deutlich, wasin der Stadt passierte, sogar den Gesang der kleinen Kanarienvögel, die indem Fenster irgendeines Palastes gefangen saßen, und deren Gesang bis zuuns empor schmetterte, und dann die kleinen Schmetterlinge, die von Dachzu Dach über die Stadt hin irrten, um wieder ein Stückchen Wiese jenseitsdieses für sie so öden Gebietes zu suchen. Das Glacis, welches mit einem breiten,grünen Ringe den inneren Kern der Stadt Wien umgibt, verleiht diesemPanorama seinen vornehmsten Schmuck; denn es bewirkt das Zerfallen desganzen Gemäldes in mehrere malerische Partien und erlaubt es, daß die schönenHäuserreihen der daranstoßenden Vorstädte sich nicht bloß mit den Dächern,sondern in ihrer ganzen Größe präsentieren können. Sie liegen rund herumam Rande des grünen Glacis, wie weiße Blumen in einem grünen Kranze.Die Turmwächter riefen uns alle Namen der Marktplätze, Straßen, Häuserund Paläste zu, die wir hier überblicken konnten, zeigten uns die Donau,die karpathischen Vorberge, die steierischen Alpen und die Wege und Stege,die nach Deutschland, Böhmen, Mähren und Italien führen, unddas da ist,bitt' ich, die Landstraße nach Ungarn hinunterzu",und ich sah, daß dasStoff genug sei, von einem so eigentümlichen Katheder herab eine prophetischePredigt zu halten. (J. G. Kohl, Hundert Tage auf Reisen in den österreichi-schen Staaten, 1842.)

BÖHMEN

Böhmen ist von der Natur selbst nach außen hin zu einem vielfach abge-schlossenen, nach innen zu einem höchst eigentümlichen Ländereinzelwesengestempelt. Von drei Seiten mit hohen Gebirgsmauern eingefaßt, stellt es

sich dar als ein Terrassenland mit vorherrschender Kesselform. Es ist-------

auf höchst merkwürdige Weise von seinen Nachbarländern abgeschlossen

und steht mit seinem großartigen Bergsaume da wie eine Insel auf dem

Festlande.

Blicken wir nun in das Innere, so zeigt sich die bemerkenswerte Eigenheit,

daß fast jeder Kreis wieder ein eigenes Becken, eine eigene Terrasse für sich

bildet und die Gestalt des Ganzen im kleinen wiederholt. Randgebirge, Hoch-

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