den dichten und wilden Waldungen und den Schilfsümpfen der Augenbrauendes Isther?
Wahrlich, wenn irgendwo, so ist hier auch ein Erdfleck um die Wandlung derDinge und den Umschwung der Begebenheiten zu bewundern. Die Augen-brauen der Donau sind gelichtet unter dem Beile und dem Pfluge, diesenSchermessern der Kultur. Die Häupter der ungebändigten Auerochsen fängtman nun wie zahme Fische aus dem Grunde des Flusses. Die Gefilde sind mitdem reichsten und schönsten Anbaue bedeckt, und von den Waldungen bliebnur so viel, als der Mensch gern hat zur Würze und Hebung des milderenAusdrucks der Wiesen und Ackerfluren. Die Stirn Deutschlands und das,was sonst äußerste Grenze war, bildet nun den innersten Kern eines großenReiches und der verworfene Baustein ist zum Eck- und Grundstein geworden,denn hier liegt das Fundament und die Wiege der österreichischen Län-der. --------
Die Donau fließt bei Linz von Bergen eingeengt in einem ungeteilten Strome.Unterhalb der Stadt aber fängt sie bald an, sich ausbreitend viele große undkleine Inseln zu umfassen und sich in viele Arme zu spalten, von denen indesgewöhnlich einer als die Hauptader betrachtet werden kann. Dies geht sofort bis in die Gegend des berühmten Strudels bei Grein, wo dann wieder alleGewässer vereinigt in demselben Kanäle zehn Meilen weit fortpulsieren, bissie bei der Stadt Krems sich durch die Gebirge und Engpässe durchgearbeitethaben, ebeneres Land betreten und ihre Insel- und Armbildung wieder be-ginnen, was sie dann bis über Wien hinaus fortsetzen.--------
Die Donau fließt direkt von Westen nach Osten, und da nun die Sonne in derRegel mehr im Süden steht, so werden die nach Süden gekehrten Fronten derSchlösser, Städte und Berge der nördlichen Wand in der Regel besser beleuchtetsein, als die Fronten der südlichen Wand, die häufig zu gewissen Tages- undJahreszeiten dunkle Schatten auf die Donau werfen.
Für uns war es, als wir bei Wallsee anlangten, noch Morgen, und dies schöneSchloß am rechten Donauufer war noch in seiner schönsten Beleuchtungaus Osten oder Südosten zu sehen. Auf senkrecht abfallenden Felsen, welchedie Donau in leidenschaftlicher Umarmung rauschend umströmt, erhebt sichdies prachtvolle Rittergebäude. Auf der anderen Seite sieht es sich von schönenüppigen Gefilden, wie von friedliebenden, arbeitsamen Untertanen umlagert,und fern, in den Hintergrund zurückgedrängt, stehen die Berge, die Häupter
von dunklen Waldungen umschattet.--------
Da liegt der Nibelungenhort in der Donau, da ziehen die Nibelungenheldenan ihren Ufern herab. König Etzel zieht herauf ihnen entgegen. Die Ge-witterwolken stoßen aneinander, und die Blitze und Klänge der Hunnen-schlachten tönen im Donautale wider. Karl der Große dringt siegreich herabund kehrt triumphierend zurück. Da kauern sogar noch die Geister der römi-schen Zenturionen und Grenzkommandanten in zahllosen Scharen am Ufer,und die italienischen Weiber kommen weinend und den Germanen fluchendherbei, um den Tausenden ihrer hier gefallenen Geliebten einen Kranz zuwinden. Dann wieder ziehen deutsche Bebauer, Franken, Bayern und Schwa-ben singend den Fluß herunter. Auf ihren Schiffen haben sie der Ceres und
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