tiefe Taleinschnitte unterbrochen, belebt durch kleine Dörfer und einzelneHöfe. An der bedeutenden Straße von West nach Ost, die Passau uns insGedächtnis ruft, haben wir auch hier noch das idyllische Bild der friedlichen, insich geschlossenen Existenz eines Bauernlandes, das der Verkehr auf demStrom gar nicht zu beunruhigen scheint.
Kurz vor Passau ändert sich das Bild durch die steilen Wände des linkenUfers, das Anrücken der Höhen des Inntales und das tief eingeschnittene Talder Hz. Herrlich ist der Platz, wo sich die drei Flüsse vereinen und dann dernun großartige Strom in weitem Bogen durch das festgeschlossene Tal nachOsten dahinfließt.
Die Höhenlage Passaus auf der engen Landzunge von Donau und Inn nimmtdas geistliche Viertel ein. Hier steht der Dom, das alte und das neue bischöf-liche Palais, sowie die stattlichen Häuser des Klerus, westlich liegt das großeKloster St. Nikolaus, östlich der mächtige Bau der Jesuiten, dann folgt diealte Abtei Niedermünster. Etwas tiefer zieht sich längs der Donau die Haupt-straße der bürgerlichen Stadt hin, die sich beim neuen bischöflichen Palaismit der Straße vom Domberg verbindet. Kleinere Straßen führen zur Donauund zum Inn. Gegen die Donau öffnet sich die Stadt beim Rathaus. Jenseits desInns liegt die Innstadt. Überall, zumal in die Straßen an der Donau, sieht vonden Höhen des linken Stromufers die stolze bischöfliche Feste Oberhausherein, welche die Stadt völlig beherrscht. (Berthold Riehl, Bayerns Donau-tal, 1912.)
DIE DONAU VON LINZ BIS WIEN
Das Stück der Donau, das man zwischen Linz und Wien befährt, ist ohneZweifel der herrlichste Teil des ganzen großen Flusses; denn es haben sichhier Natur und menschliche Kultur in einem so hohen Grade bemüht, dieUfer und Anlande reich zu schmücken, wie sonst nirgends mehr auf der ganzen400 Meilen weiten Strecke des Flußlaufes. Und all das Schöne und Große,all das Anmutige und Interessante, alle die historischen Monumente und dievon der Natur geschmückten Landschaften in der kurzen Zeit eines halbenTages an geistigen und leiblichen Augen vorübergehen zu lassen, scheint einzauberischer Traum und versetzt den empfänglichen Geist in einen ent-zückenden Rausch.
Die Römer, als sie hier noch saßen, haben freilich nichts von diesem Rauschegekannt, und ihnen erschien ein Aufenthalt an den Donauufern wohl nichtanders als wie ein sehr schwerer und drückender Traum. Gerade an dieser schön-sten Strecke der Donau hin bis Vindobona hatten sie ihre vorzüglichstenKampfplätze und Schlachtfelder mit den Germanen. Das linke Ufer derDonau nannten sie Frons Germaniae, die Stirn Deutschlands, und das rechte,das sie besetzt hielten, die Supercilia Isthri, die Augenbrauen der Donau.Und wie mochten ihre Erzählungen wohl klingen, wenn sie von diesen äußer-sten, kalten Nordgrenzen ihres schönen Reiches Briefe an die Ihrigen nachItalien schickten und ihnen Schilderungen machten von den Runzeln, Aus-wüchsen, Zacken, Felsen und Hörnern der rauhen Stirn Germaniens, oder von
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