ten Erdreichs, wo die Äcker anfangen, zeigt sich die ursprüngliche Gebirgsart.Es ist ein Quarz, dem Tonschiefer verwandt, der sich in Platten und Prismenzu trennen pflegt.
Man kann nicht unterlassen, links hinterwärts nach dem Fluß und nach denenihn an beiden Ufern begleitenden Landschaften und Wohnlichkeiten umzu-schauen, die, im einzelnen schon bekannt, mit größerem Anteil im ganzenüberblickt werden.
überrascht wird man aber doch, wenn man auf den Altan des JohannisbergerSchlosses tritt. Denn wollte man auch alle Orte und Gegenstände wiederholen,so würde sich doch nur dasjenige allenfalls in der Folge dem Gedächtnis dar-stellen, was man hier auf einmal übersieht, wenn man, auf demselben Fleckestehend, den Kopf nur rechts und links wendet. Denn von Biebrich bis Bingenist alles einem gesunden oder bewaffneten Auge sichtbar: der Rhein, mit denendaran gegürteten Ortschaften, mit Inselauen, jenseitigen Ufern und anstei-genden Gefilden, links oben die blauen Gipfel des Altkins und Feldbergs, geradevor uns der Rücken des Donnersbergs I Er leitet das Auge nach der Gegend, wo-her die Nahe fließt. Rechts unten liegt Bingen, daneben die ahnungsvolle Berg-schlucht, wohin sich der Rhein verliert.
Die uns im Rücken verweilende Abendsonne beleuchtete diese mannigfaltigenGegenstände an der uns zugekehrten Seite. Leichte, seltsam streifenweis vomHorizont nach dem Zenit strebende Wolken unterbrachen die allgemeineKlarheit des Bildes, wechselnde Sonnenblicke lenkten jetzt die Aufmerksam-keit bald da-, bald dorthin, und das Auge ward stellenweise mit einzelner frischerAnmut ergötzt. Der Zustand des Schlosses selbst störte nicht diese angenehmenEindrücke. Leer stehts, ohne Hausgerät, aber nicht verdorben.Bei untergehender Sonne bedeckte sich der Himmel von allen Seiten mitbunten, immer auf den Horizont sich beziehenden, pfeilförmigen Streifen,sie verkündigten eine Wetterveränderung, über welche die Nacht entscheiden
wird.-------
Der Morgenhimmel, erst völlig umwölkt, erheiterte sich bei fortdauerndemNordwind. Nachdem wir in Geisenheim bei einem Handeismanne ein altesGemälde gesehen, ging der Weg aufwärts durch einen Eichenbusch, welcheralle vierzehn Jahre zum Behuf der Gerberei abgetrieben wird. Hier findet sichdas Quarzgestein wieder und weiter oben eine Art von Rotliegendem. Rechtsblickt man in ein tiefes, von alten und jungen Eichen vollgedrängtes Bergtalhinab, die Türme und Dächer eines alten Klosters zeigen sich, von dem reich-sten Grün ganz eingeschlossen, in wildem, einsamem Grunde — eine Lage, über-einstimmend mit dem Namen dieser heiligen Stätte: denn man nennt sie nochimmer Not Gottes, obgleich das Wunderbild, das dem Ritter hier seine Not zu-jammerte, in die Kirche von Rüdesheim versetzt worden. Völlig unwirtbarerschiene diese Stelle noch jetzt, hätte man nicht einen kleinen Teil der an-grenzenden Höhe gerodet und dem Feldbau gewidmet.
Aufwärts dann, eine hochgelegene, bebaute Fläche hin, geht der Weg, bis manendlich auf den Niederwald gelangt, wo eine gerade, lange, breite Fahrstraßevornehme Anlagen verkündigt. Am Ende derselben steht ein Jagdschloß mitNebengebäuden. Schon vor dem Hofraum, besser von einem Türmchen, sieht
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