Gutes zutraut. Dagegen sind die Markgräfler gegenüber ein stilles, sanftes,gutmütiges, angenehmes Volk von schönem, hellem Blut und mit einer allge-meinen Familienähnlichkeit, als ob sie alle Verwandte wären. Die Breisgauersind wieder andere Leute, groß und stark und echte Alemannen. Die Brund-rutter auch wieder ein eigner Schlag, und die aus dem hiesigen Bistume ein ge-sunder, starker, lebhafter und etwas grobzügeriger Schlag, als die jenseits.Obgleich die Reformation alle Heiligen abgesetzt, hat sich doch hier derheilige Urbanus, der Weinpatron, in seinem Kredit erhalten. Nahe bei meinerWohnung steht er in Stein auf einem Brunnen, da haben sie ihm in vorigerWoche, wo sein Tag gefeiert wird, eine schön brodierte Toga und die Infulangezogen, worin er sich wegen etwas kurzer Taille gar wunderlich ausge-nommen, alles mit Blumen schön umhangen, und am Abend ist die Nachbar-schaft mit Musik dahingezogen, sie haben allerlei dabei verlesen und daraufdie Nacht auf Abschlag der künftigen Weinlese einen Teil der vorigen unterge-bracht. Das war seit fünfundzwanzig Jahren in der Revolution unterblieben,jetzt haben sie's wieder angefangen. So hat sich noch viel anderes von altenGebräuchen erhalten, sie schließen auch noch die Stadttore bei der Predigt,und die Ratsdiener gehen noch immer in ihren rechts schwarzen, links weißenMänteln. Die neue Art sieht man an den vielen Pfählen und Polizeivorschriften:„Unter so vielen Franken Strafe, das oder jenes nicht zu tun, den oder jenenWeg nicht zu begehen," ich habe jedoch die meisten ohne Schaden begangen.(Görres, Brief von 1820.)
HEIDELBERG
Ich sah Heidelberg an einem völlig klaren Morgen, der durch eine angenehmeLuft zugleich kühl und erquicklich war. Die Stadt in ihrer Lage und mit ihrerganzen Umgebung hat, man darf sagen, etwas Ideales, das man sich erst rechtdeutlich machen kann, wenn man mit der Landschaftsmalerei bekannt ist, undwenn man weiß, was denkende Künstler aus der Natur genommen und indie Natur hineingelegt haben. Ich ging in Erinnerung früherer Zeiten überdie schöne Brücke und am rechten Ufer des Neckars hinauf. Etwas weiteroben, wenn man zurücksieht, sieht man die Stadt und die ganze Lage in ihremschönsten Verhältnisse. Sie ist in der Länge auf einem schmalen Raumzwischen den Bergen und dem Flusse gebauet, das obere Tor schließt sich un-mittelbar an die Felsen an, an deren Fuß nur die Landstraße nach Neckar-gemünd die nötige Breite hat. Über dem Tore steht das alte verfallene Schloßin seinen großen und ernsten Halbruinen. Den Weg hinauf bezeichnet, durchBäume und Büsche blickend, eine Straße kleiner Häuser, die einen sehrangenehmen Anblick gewährt, indem man die Verbindung des alten Schlossesund der Stadt bewohnt und belebt sieht. Darunter zeigt sich die Masse einerwohlgebauten Kirche und so weiter die Stadt mit ihren Häusern und Türmen,über die sich ein völlig bewachsener Berg erhebt, höher als der Schloßberg,indem er in großen Partien den roten Felsen, aus dem er besteht, sehen läßt.Wirft man den Blick auf den Fluß hinaufwärts, so sieht man eine große Flächedavon zu Gunsten einer Mühle, die gleich unter dem unteren Tore liegt, zueiner schönen Fläche gestemmt, indessen der übrige Strom über abgerundete
13 Wolters, Der Deutsche. V, 2.
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