ihrem Andenken wurde nicht zuletzt ein Granatschmuck von mir auseinander-gebrochen, jeder nahm sich einen Stein und den Namen eines Berges, den manvon hier aus sehen konnte, und nennen sich die Ritter vom Granatorden, gestiftetauf demWatzmann bei Salzburg. (Bettina v. Arnim, Brief an Goethe, 1809.)
DIE SAGE VOM UNTERSBERG
Zwischen Salzburg, Reichenhall und Berchtesgaden erhebt sich dunkel, breitund mächtig mit schroffen Hängen der Untersberg (Wunderberg). Seine sechs-tausend Fuß erhabene Hochfläche ist schwer zu besteigen und auch schwerzu beschreiben wegen der Zerklüftung des Kalkgebirgs in unzählige kleineKanten und Trichter. Dazwischen wachsen höchstens noch Legföhren undWachholdergebüsch und bieten neue Hemmnisse. Die Wasser versinken, sodaß nur ihr unterirdisches Rauschen vernommen wird. Eben diese Neigung zurHöhlenbildung, zum Einschlucken aller Quellen mag die Vorstellung geförderthaben, im Innern seien mächtige große Räume mit unterirdischen Wiesen,wovon Einzelne, die hinein verirrt und glücklich wieder zu Tag gekommen, derWelt Mitteilung gemacht hätten. Außen übersieht man von der Höhe die Ebeneim Norden mit ihren Seespiegeln, während im übrigen uns das Hochgebirg mitseinen grünen Matten, zerrissenen Wänden, „steinernen Meeren", Schnee-gipfeln und Schneefeldern (die „übergossene Alp") umgibt und von seinen tiefeingesenkten Seen wenigstens den schmalen grünen Königssee zeigt. Immer-hin ist die Stellung des Untersbergs so abgesondert, daß er schon deswegen ver-dient, den Thron des versunkenen Kaisers oder Gottes zu umfangen.Nach dem Brixener Volksbuch (1782) ist nicht der Kaiser allein in den Bergverzückt, sondern mit ihm ein ganzes Gefolge von fürstlichen und vornehmenHerrn, die da mit ihm auf einer schönen Wiese hin- und hergehen. Der Kaiserträgt Krone und Zepter, hat einen langen grauen Bart, der das goldene Brust-stück seiner Kleidung ganz und gar bedeckt. An Fest- und Ehrentagen wirddieser Bart in zwei Teile geteilt und jeder mit einem kostbaren Perlenband um-wunden. Warum Kaiser Karl sich aber da aufhält und was seines Tuns ist,weiß niemand und steht bei den Geheimnissen Gottes.
Noch bedeutsamer ist die Fassung, wonach der Kaiser an einem Tisch sitzt, umwelchen sein Bart schon mehr denn zweimal herumgewachsen ist. „Sowie derBart zum drittenmal das letzte Ende erreicht haben wird, tritt dieser Weltletzte Zeit ein. Der Antichrist erscheint, auf den Feldern von ,Wals' kommtes zur Schlacht. Die Engelsposaunen ertönen und der jüngste Tag ist ange-brochen". Daß es der jüngste Tag ist, das wird wohl seine Richtigkeit haben,wenn auch nicht alle Fassungen es gleich bestimmt aussprechen. Man weißzum Teil nur, daß auf dem Walserfeld eine schreckliche Schlacht geschehenwird, wo alles hinzuläuft und ein so furchtbares Blutbad sein wird, daß denStreitenden das Blut vom Fußboden in die Schuhe rinnt. Da werden die bösenMenschen von den guten erschlagen werden. Auf diesem Walserfeld steht einausgedorrter Birnbaum zum Andenken dieser letzten Schlacht. Schon dreimalwurde er umgehauen, aber seine Wurzel schlug immer aus, daß er wiederumanfing zu grünen und ein vollkommener Baum ward. Viele Jahre bleibt er
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