Die Erde lag im freisten Ätherlichte unter ihm. Ich sah den strahlenden Silber-gürtel von Schnee und Eis an Europens Jungfrau.
Ich sah die ersten Stellen, die nach der Schöpfung das Meer verließ: sie tragenjetzt noch Wasser in Eisgestalt auf ihren Höhen, ich sah die tausend undtausend Täler alle unter mir, durch die Meere hin eilten in ihre unermeß-lichen Tiefen, ich sah die Berge alle, die sie dämmten, ich sah der Flüße Laufherab vom Äther, ich sah wie durch ein Fernrohr ein Planetenstück, ich sahdie Wesen nicht, die es bewohnen.
Als ob ich glücklicher gewesen wäre, als es ein Sterblicher je verdiente, hülltedie Erde sich jetzt unter mir in Nebelschleier. Tief aus den schwarzblauenTälern allen, die wie dunkle Flecken in des Mondes Bild verstreut in den Strah-len der Eisgebirge unter mir lagen, hoben in tausendfältigen Gestalten dieNebel sich. Sie stiegen empor in die Regionen des ewigen Schnees, den Win-den zum Spiele, die ballten sie zusammen über den Gletschern und fesseltensie in Eis. Aber aus allen Tälern stiegen die Nebel herauf wie Rauch-wolken, wenn der Ätna und Hekla in Flammen steht. Die Erde schien zubrennen unter mir — in wenigen Minuten verschwand sie in Nebelrauch.(Joseph August Schultes, Brief von 1806.)
SCHWÄRMERBESUCH IN SALZBURG
Es ging in einen fröhlichen Abend über, die Täler breiteten sich rechts undlinks, als wären sie das eigentliche Reich, das unendlich gelobte Land. Langsamwie Geister hob sich hier und da ein Berg und sank allmählich in seinem blitzen-den Schneemantel wieder unter. Mit der Nacht waren wir in Salzburg, es warschauerlich, die glattgesprengten Felsen himmelhoch über den Häusern hervor-ragen zu sehen, die wie ein Erdhimmel über der Stadt schwebten im Sternen-licht, — und die Laternen, die da all mit den Leutlein durch die Straßen fackel-ten, und endlich die vier Hörner, die schmetternd vom Kirchturm den Abend-segen bliesen, da tönte alles Gestein und gab das Lied vielfältig zurück. — DieNacht hatte in dieser Fremde ihren Zaubermantel über uns geworfen, wirwußten nicht, wie das war, daß alles sich beugte und wankte, das ganze Firma-ment schien zu atmen, ich war über alles glücklich, du weißt ja wie das ist,wenn man aus sich selber, wo man so lange gesonnen und gesponnen, heraus-tritt ganz ins Freie.
Wie kann ich dir nun von diesem Reichtum erzählen, der sich am andernTag vor uns ausbreitete ? — wo sich der Vorhang allmählich vor Gottes Herr-lichkeit teilet und man sich nur verwundert, daß alles so einfach ist in seinerGröße. Nicht einen, aber hundert Berge sieht man von der Wurzel bis zumHaupt ganz frei, von keinem Gegenstand bedeckt, es jauchzt und triumphiertewig da Oben, die Gewitter schweben wie Raubvögel zwischen den Klüften,verdunkeln einen Augenblick mit ihren breiten Fittichen die Sonne, das gehtso schnell und doch so ernst, es war auch alles begeistert. In den kühnstenSprüngen von den Bergen herab bis zu den Seen ließ sich der Übermut aus,tausend Gaukeleien wurden ins Steingerüst gerufen, so verlebten wir wie diePriesterschaft der Ceres bei Brot, Milch und Honig ein paar schöne Tage. Zu
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