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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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den Hals oder die Knöchel zieren sollen, haben weder wagerechte noch senk-rechte Gliederungen oder andere geographische Charakterzüge irgendeinenWert zur Besänftigung der rohen Menschennatur besessen.Bestand die Gunst der Gliederung Europas in seiner Zugänglichkeit für fremdeKultur, so sind auch seine Bewohner, soweit unser geschichtliches Wissenzurückreicht, bis auf vier oder fünf Jahrhunderte rückwärts noch immerder empfangende Teil geblieben. Aus diesem Grunde war es wichtig, daßEuropa als asiatische Halbinsel der Alten Welt angehörte; denn geräumigeLändermassen sind vorzugsweise reich an solchen Tier- und Pflanzenarten,die zu den Bewohnern in irgendeine gesellige Beziehung treten können, undwirklich stammt mehr als die Hälfte dessen, was den Gestaden des Mittel-meeres ihre landschaftlichen Zierden gewährt, aus dem Morgenlande. Nurder Weinstock, der Feigenbaum, der Lorbeer des Apoll, der Oleander werdenbereits fossil in der Provence angetroffen. Die immergrüne Eiche, die Myrtheund die Pinie gehörten ebenfalls wohl unter die einheimischen Gewächse.Der Ölbaum dagegen, der auf der griechischen Insel Santorin unter einer sehralten Lavaschicht angetroffen wird, kam erst mit hellenischen Ansiedlern600 vor Christo zu Schiff nach Italien. Die Rebe, welche den südlichen Feuer-wein spendet, wanderte von den Südabhängen des Kaukasus über Thrazienein, ihr folgte der Fasan von den Ufern des Phasis und die Aprikose ausArmenien. Aus Persien kam die Platane, der Pfirsich, die Rose und die Lilie,während Melonen, Gurken und Kürbisse, lauter Steppenfrüchte, aus Tur-kistan erst spät durch die Hände der Slawen nach dem Abendlande gelangten.Dattelpalmen sahen die Hellenen zuerst in Phönizien, als unzertrennlicheBegleiter der Araber wanderten sie in das eroberte Spanien und landeten mitsarazenischen Piraten an dem gefeierten Gestade zwischen Genua und Nizza.Aus dem semitischen Asien stammt auch die Zypresse, der Paradiesapfel,Kümmel und Senf, während Nordeuropa die Linse den Römern, die Erbseden Griechen verdankt. Von italienischen Gärtnern lernten unsere Vorfahrenihre wilde Schlehe durch Aufsetzen von Damaszener Reisern zur Zwetschgezu veredeln, und zu dem wilden Süßkirschenbaum kam von Cerasus amPontus die Weichsel. Der Haushahn wanderte aus Indien über Persienzunächst nach Griechenland, und den Pfau brachten die hieramsalomonischenIndienfahrer aus Ophir, dem Abhira an der Indusmündung. Es warenalso die östlichen Ländergebiete, welche ihr Füllhorn hauptsächlich überSüdeuropa umstürzten, und im Vergleich zu ihren Gaben konnte die NeueWelt nur wenig mehr hinzufügen: eine einzige Getreideart, den Mais, eineeinzige Knollenfrucht, die Kartoffel, als häufige Zierde südlicher Landschaftennoch die Agave und die Feigendistel.

Aber nicht bloß Gaben der Ceres, nicht bloß die stillen Zierden unserer Gärtenoder Haine, die lockenden Früchte unserer Obstreviere mußten erst aus demMorgenlande nach dem Mittelmeere wandern, auch die höchsten, geistigenSchätze schlugen denselben Weg ein. Die Kunst, das gesprochene Wort inseine einzelnen Laute zu zerlegen und diese Laute durch Symbole sichtbarwerden zu lassen, empfingen die Griechen zuerst aus Kleinasien. Durchägyptische und assyrische Muster wurden sie zuerst angeregt, den Stein in

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