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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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nicht innerlicher Art, hat nicht in dem Gemüt seinen Ursprung und sprichtnicht zu dem Gemüte: seine Quelle liegt vielmehr in der Harmonie der Form,in der Vollendung der Linien, er findet seinen vollen Ausdruck nicht in derMalerei, sondern nur im Marmorbilde. Die Bewohner der Apennintäler zeigenin ihrer ganzen Bildung den Einfluß eines anstrengungsreichen, mühseligenGebirgslebens. Gedrungene Gestalt, nervige Glieder, ein mit schwarzemLockenhaar dicht besetztes Haupt, niedere schmale Stirne, dichte gewölbteAugenbrauen bezeichnen den Sabiner, aber in dem Lande um Veroli undAlatri herrscht noch jener Ausdruck ungewöhnlicher Entschlossenheit, unddie Kleidung aus Ziegen- und Schaffellen verrät die ganze Ursprünglichkeitdes Gebirgslebens. In den Ebenen und ihren Städten ist kein bestimmtesKörpergesetz erkennbar. Der Bevölkerung von Rom fehlt jede vorherrschendePhysiognomie. Alle Geschlechter der Erde scheinen an ihrer Bildung teil-genommen zu haben, und so ist die Stadt in der Tat, freilich in einem ganzandern Sinne, als worin die Alten den Ausdruck verstanden, das gemeinsameEigentum des Erdballs. (Gerlach und Bachofen, Die Geschichte der Römer,1851.)

AUSTAUSCH DER NATURGABEN UNTER DEN VÖLKERN

Die Vorteile höherer Gliederung äußern sich aber einfach darin, daß ver-schieden begabte Völker bequemer das Beste austauschen können, was sieerworben haben. Die besten Erzeugnisse des Menschen sind aber seine glück-lichen und beglückenden Gedanken, die, einmal gedacht, befruchtend odertröstend fortwirken von Geschlecht zu Geschlecht durch Jahrtausende. Zuden beglückenden Gedanken gehören die Religionsschöpfungen, zu den glück-lichen unter andern solche Erfindungen, die über unsern Haushalt undunsere Tagesgewohnheiten eine strenge Herrschaft behaupten. Was wirunter Zivilisation, Kultur, Gesittung verstehen, ist nichts anderes als eineSumme heller Gedanken, größtenteils von uns ererbt und asiatischen Ur-sprungs. Kein Kulturvolk steht hoch genug, daß es nicht etwas Neues selbstvon sogenannten wilden Völkern sich aneignen könnte oder schon angeeignethätte. Der Gebrauch der Gabeln beim Genuß der Speisen hat sich beispiels-weise in Nord-Europa erst im 17. Jahrhundert verbreitet und wurdeanfangs als eine sittenverderbliche Neuerung angesehen. Hätten uns diesesTischgerät nicht schon die Völker des Altertums hinterlassen oder würdenwir, wie die Chinesen, noch heutigen Tages uns der Eßstäbchen bedienen,so hätten unsere Seefahrer von den anthropophagen Fidschi-Insulanern dieGabel als eine Neuigkeit nach Europa bringen können. Durch den Umgangmit den Kelten Galliens war gar mancherlei für die Römer zu erlernen; dennvon ihnen empfingen sie zuerst die Seife, und erfuhren sie, wie sich metalleneGeschirre verzinnen und versilbern ließen. Vom keltischen Adel erlernten siedie Hetzjagd im freien Felde und unsere deutschen Vorfahren die Falkenbeize.Die alten Bewohner Britanniens dagegen hatten zuerst bei der Landwirtschaftmineralische Dünger, nämlich den Mergel angewendet und zufolge einer etwasdunklen Beschreibung bei Plinius das Getreide schon mit Maschinen und

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