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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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aufrichtiges Angesicht sieht den Himmel und seine glänzenden Welten:der Mensch ist ein nicht bloß der Erde, sondern dem Weltall zugehörendesWesen.

Alles was das Auge siehet, das Ohr höret und die Sinne empfinden, das bildetund machet der Mensch in seinem Kreise und Maße den bildenden und wirken-den Kräften der sichtbaren Welt nach. Er wecket in dem längst verdorrtenHolze die schlafende, der genügsamen Nacht das Licht der Sonne darstellendeFlamme, seine Künste scheuchen aus der Tiefe des Metalles den hier seituralten Zeiten ruhenden Donner auf, seine Stimme und der dem künstlichenLeibe der Töne Leben gebende Hauch oder seine die noch ungeborenen Seelen derGefühle auf die Welt der Saiten herunterführende Hand weiß nicht bloß dieNachtigall und alle befiederten Sänger um ihre schönsten Einfälle zu täuschenund diese sich zuzueignen, sondern seine Melodien schweben, hoch wieder Adler über dem Gipfel der Gebirge über allen Tönen und Stimmen deruns hörbaren Welt. Ebenso bauet sich der Mensch mitten in das starre Eisdes Winters einen warmen Sommer hinein, oder schaffet sich aus der schmach-tenden Hitze des Sommers eine, wenn auch nur augenblickliche Kälte desWinters, er erzwinget aus der Mischung der ihm dienstbaren Stoffe die Gerücheder freien, äußeren Natur, weiß durch die von ihm gebändigten Wellen desFlüssigen seine Geschmacksnerven auf diese oder jene ihm gefällige Weisezu rühren, weiß das Harte weich, das Weiche hart zu machen, ein kleinesAbbild des Meeres aus den benachbarten Quellen der Gebirge ins Tal zu lockenund mitten in der Ebene künstliche Felsenwarten zu errichten. So schaffetder Mensch noch jetzt in seinem kleinen Maße dem Schöpfer nach und bekennetschon hierdurch, daß sein innerstes Wesen gleichen Geschlechts sei mit demewigen Ursprung aller Geschlechter der Dinge ein zündender Funken,von oben gekommen und als Flamme nach oben eilend. (Gotthilf HeinrichSchubert, Allgemeine Naturgeschichte, 1826.)

LANDSCHAFT UND LEIBLICHE BILDUNG

Latiums edle Stämme sind nicht untergegangen, noch durch die Beimischungfremden Blutes ihrer Eigentümlichkeit beraubt. Aus den schönen regelmäßigenZügen der Bewohner des Albanergebirges, den großen schwarzen Augen, demfreien Blick, der gemessenen Bewegung eines schlanken, wohlgebildetenKörpers spricht noch immer der edle Stolz eines Volkes, das Rom seine Herr-schaft gründen half und dann an derselben teilnahm. Die Haltung ist ebensoentfernt von tanzmeisterartiger Grazie, als von plumper Unbehilflichkeit, dieSprache klangreich und rhythmisch gemessen, die Mimik ausdrucksvoll, abergemäßigt, die Kleidung malerisch, dem Körper eine Zierde, keine Verunstal-tung. Überall formt die Natur den Menschen nach ihrem Bilde, aber einevollkommnere Harmonie beider, als sie uns in dem Albanergebirge begegnet,ist nirgends bemerkbar. Der Reiz des Weibes liegt nicht in dem Geheimniseines seelenvollen Auges, ebensowenig in der Milde des Ausdrucks, er ent-springt nicht aus jenem Zuge aufopfernder Liebe, von dem Lavater sagt, daßer fähig sei, auch die häßlichste Frau zu veredeln, mit einem Worte, er ist

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