Diese Selbstbewegung ist nichts Unbegreifliches, Unbekanntes, außer wennBegreifen in dem Sinne genommen wird, daß etwas anderes, die Ursache,aufgezeigt werde, von der es bewirkt wird. Dies ist aber nur die äußere, dasheißt gar keine Notwendigkeit. Die Ursache ist selbst wieder ein Ding, nachdessen Ursache wieder zu fragen ist, und so fort immer zu etwas anderem, indie schlechte Unendlichkeit, welche die Unfähigkeit ist, das Allgemeine,den Grund, das Einfache, welches die Einheit Entgegengesetzter ist und daherdas Unbewegbare, das aber bewegt, zu denken und vorzustellen. Dies ist dasBlut, das Subjekt, das, so gut als der Wille, eine Bewegung anfängt. Als dieganze Bewegung ist das Blut der Grund und die Bewegung selbst.Der Blutlauf selbst ist einesteils als dieser allgemeine Kreislauf zu nehmen,wodurch jeder Teil diesen Zirkellauf nimmt, allein er ist ebenso etwas ganzin sich Elastisches, das nicht nur jener Zirkellauf ist. Schon ist der Laufin verschiedenen Teilen überhaupt etwas verschieden: im Pfortadersystemist er langsamer, innerhalb des Schädels ebenso als in den übrigen Teilen,in der Lunge hingegen beschleunigter. Bei einem panaricium hat die Arterie(radialis) hundert Pulsschläge in einer Minute, während die auf der gesundernSeite nur siebzig, gleichzeitig mit dem Pulse des Herzens hat. Ferner derÜbergang der Arterien und Venen ineinander geschieht durch die feinstenKanäle, Haargefäße, die zum Teil so fein sind, daß sie keine roten Blut-kügelchen enthalten, sondern nur gelbliches Blutwasser. „Im Auge," sagtSömmering, „scheint der Fall zu sein, daß die Arterien in feinere, kein rotesBlut mehr enthaltende Zweigchen fortgesetzt werden, die anfangs in einegleiche Vene, endlich aber in rotes Blut führende Venchen übergehen." Hiergeht also das Ding, das eigentlich Blut heißt, nicht über, sondern es ist eineBewegung gesetzt, worin es verschwindet und wieder hervortritt, oder einelastisches Erzittern, das nicht ein Fortgang ist. So ist der Übergang nichtoder selten, unmittelbar bemerklich. Ferner anastomosieren die Arterienbesonders, auch die Venen, so häufig, teils in größern Ästen, teils bilden sieganze große Gewebe, wo also gar keine eigentliche Zirkulation mehr denkbarist. In den anastomosierenden Zweig treibt sich das Blut von beiden Seitenherein, es ist ein Gleichgewicht, das nicht ein Laufen nach einer Seite, sondernnur ein Erzittern in sich selbst ist. Bei einem Zweige könnte man etwa denken,daß hier die eine Richtung ein Übergewicht hat, allein bei mehreren ganzenKränzen, Geweben von Anastomosen hebt eine Richtung die andere auf undmacht die Bewegung zu einem allgemeinen Pulsieren in sich selbst. „Beijeder geöffneten Schlagader spritzt das Blut im Augenblick der Zusammen-ziehung des Herzens viel weiter, als in dem Zeitpunkte der Erschlaffungdesselben. Der Zeitpunkt der Zusammenziehung dauert in den Arterien etwaslänger, als der Zeitpunkt der Ausdehnung. Umgekehrt verhält sich das Herz.Man muß sich das belebte Schlagadersystem aber nicht so vorstellen, als obeine rundliche Blutwelle nach der andern sich fortbewegte, oder als stellteeine ihrer ganzen Länge nach entblößte Schlagader gleichsam eine Rosen-kranzschnur vor. Sondern das Schlagadersystem erscheint in seiner ganzenLänge und in allen seinen Ästen immer zylindrisch, bei jedem Stoß des Herzensfein oszillierend, gleichförmig, doch kaum, und nur in größern Stämmen etwas
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