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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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reinigt es und sorgt überhaupt für alle seine Bedürfnisse. Beide lernen zugleicher Zeit: der Knabe wird ein Reiter, das Fohlen wird ein Reittier. Nie-mals aber wird der junge Araber das ihm anvertraute Füllen übernehmen,niemals ihm Dinge zumuten, welche es nicht leisten kann. Man überwachtjede Bewegung des Tieres, behandelt es mit Liebe und Zärtlichkeit, duldetaber niemals Widerstreben und Böswilligkeit. Erst wenn das Pferd seinzweites Lebensjahr überschritten hat, legt man ihm den Sattel auf, nachAblauf des dritten Jahres gewöhnt man es allgemach daran, alle seine Kräftezu gebrauchen. Erst wenn es das siebente Jahr erreicht hat, sieht man esals erzogen an, und deshalb sagt das arabische Sprichwort:Sieben Jahrefür meinen Bruder, sieben Jahre für mich und sieben Jahre für meinen Feind."Nirgends ist man von der Macht der Erziehung so durchdrungen wie in derWüste.Der Reiter bildet sein Pferd, wie der Ehemann sein Weib sich bildet",sagen die Araber.

Ergötzlich anzuhören sind die Lobeserhebungen, welche einem hochedlenPferde gespendet werden.Sage mir nicht, daß dieses Tier mein Pferd ist,sage, daß es mein Sohn ist! Es läuft schneller als der Sturmwind, schnellernoch, als der Blick über die Ebene schweift. Es ist rein wie das Gold. SeinAuge ist klar und so scharf, daß es ein Härchen im Dunkeln sieht. Die Gazelleerreicht es im Laufe. Zu dem Adler sagt es: ,Ich eile wie du dahin.' Wennes das Jauchzen der Mädchen vernimmt, wiehert es vor Freude, und an demPfeifen der Kugeln erhebt sich sein Herz. Aus der Hand der Frauen erbetteltes sich Almosen, den Feind schlägt es mit den Hufen ins Gesicht. Wenn eslaufen kann nach Herzenslust, vergießt es Tränen aus seinen Augen. Ihm giltes gleich, ob der Himmel rein ist oder der Sturmwind das Licht der Sonne mitStaub verhüllt, denn es ist ein edles Roß, welches das Wüten des Sturmesverachtet. In dieser Welt gibt es kein zweites, welches ihm gleicht. Schnellwie eine Schwalbe eilt es dahin, so leicht ist es, daß es tanzen könnte aufder Brust deiner Geliebten, ohne sie zu belästigen. Sein Schritt ist so sanft,daß du im vollsten Laufe eine Tasse Kaffees auf seinem Rücken trinkenkannst, ohne einen Tropfen zu verschütten. Es versteht alles wie ein SohnAdams, nur daß ihm die Sprache fehlt." (Brehms Tierleben, dritte Auflage,1890/1893.)

ELEFANT UND LÖWE

Der Elefant, so unförmlich er scheint, gibt physiologische Gründe genug vonseinem dem Menschen so ähnlichen Vorzuge vor allen lebendigen Tieren.Zwar ist sein Gehirn der Größe des Tieres nach nicht übermäßig, die Höhlendesselben aber und sein ganzer Bau ist dem menschlichen sehr ähnlich.Ich war erstaunt," sagt Camper,eine solche Ähnlichkeit zwischen derglandula pinealis, den nates und testes dieses Tiers mit denen in unserm Ge-hirn zu finden, wenn irgendwo ein sensorium commune statthaben kann,so muß es hier gesucht werden." Die Hirnschale ist im Verhältnis des Kopfesklein, weil die Nasenhöhle weit oberhalb dem Gehirn läuft und nicht nurdie Stirn-, sondern auch andere Höhlen mit Luft anfüllt: denn um die schwerenKinnladen zu bewegen, wurden starke Muskeln und große Oberflächen er-

Wolters, Der Deutsche. V,

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