seiner Hilfe Wanderungen und Reisen, hütet auf ihm seine Herden, glänztdurch das Pferd in seinen Kämpfen, bei den Festen, bei den geselligen Ver-einigungen, er lebt, liebt und stirbt auf seinem Rosse. Mit der Natur desArabers, zumal des Beduinen, ist die Liebe zum Pferde unzertrennlich, ersaugt die Achtung für dieses Tier schon mit der Muttermilch ein. Das edleGeschöpf ist der treueste Gefährte des Kriegers, der geachtetste Diener desGewaltherrschers, der Liebling der Familie, und eben deshalb beobachtet esder Araber mit ängstlichem Fleiße, erlernt seine Sitten, seine Notwendig-keiten, besingt es in seinen Gedichten, erhebt es in seinen Liedern, findet inihm den Stoff seiner angenehmsten Unterhaltung. „Als der Erschaffendedas Roß erschaffen wollte", verkündigen die Schriftgelehrten, „sagte er zumWinde: ,Von dir werde ich ein Wesen gebären lassen, bestimmt, meineVerehrer zu tragen. Dieses Wesen soll geliebt und geachtet sein von meinenSklaven. Es soll gefürchtet werden von allen, welche meinen Geboten nichtnachstreben'. Und er schuf das Pferd und rief ihm zu: ,Dich habe ich ge-macht ohnegleichen. Alle Schätze der Erde liegen zwischen deinen Augen.Du wirst meine Feinde werfen unter deine Hufe, meine Freunde aber tragenauf deinem Rücken. Dieser soll der Sitz sein, von welchem Gebete zu miremporsteigen. Auf der ganzen Erde sollst du glücklich sein und vorgezogenwerden allen übrigen Geschöpfen, denn dir soll die Liebe werden des Herrnder Erde. Du sollst fliegen ohne Flügel und siegen ohne Schwert 1" Ausdieser Meinung entspringt der Glaube, daß das edle Pferd nur in den Händen derAraber glücklich sein könne. Hierauf soll sich vormals die freilich jetzt nichtmehr allgemein verbreitete Weigerung begründet haben, Rosse an Anders-gläubige abzulassen. Abd el Kader bestrafte, als er noch auf der Höhe seinerMacht stand, alle Gläubigen mit dem Tode, von denen ihm gesagt worden war,daß sie eines ihrer Pferde an Christen verkauft hätten.
Alle Araber glauben, daß die edlen Pferde schon seit Jahrtausenden sich ingleicher Vollkommenheit erhalten haben, wachen daher ängstlich über derZucht ihrer Rosse. Hengste von guter Rasse werden sehr gesucht: die Stuten-besitzer durchreiten weite Strecken, um solche Hengste zum Beschälen zuerhalten. Als Gegengeschenk erhält der Hengstbesitzer eine gewisse MengeGerste, ein Schaf, einen Schlauch voll Milch. Geld anzunehmen, gilt alsschmachvoll, wer es tun wollte, würde sich dem Schimpfe aussetzen, „Ver-käufer der Liebe des Pferdes" genannt zu werden. Nur wenn man einemvornehmen Araber zumutet, seinen edlen Hengst zum Beschälen einer ge-meinen Stute zu leihen, hat er das Recht, die Bitte abzuschlagen. Währendder Trächtigkeit wird das Pferd sehr sorgfältig behandelt, jedoch nur in denletzten Wochen geschont. Während des Wurfes müssen Zeugen zugegensein, um die Echtheit des Fohlens zu bestätigen. Das Fohlen wird mit be-sonderer Sorgfalt erzogen und von Jugend auf wie ein Glied der Familiegehalten. Daher kommt es, daß die arabischen Pferde zu Haustieren ge-worden sind und ohne alle Furcht im Zelte des Herrn oder der Kinderstubegeduldet werden können.
Mit dem 18. Monate beginnt die Erziehung des edlen Geschöpfes. Zuerstversucht sich ein Knabe im Reiten. Er führt das Pferd zur Tränke, zur Weide,
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