Vögel am meisten als Sinnbild der Freiheit, der Munterkeit und des fröhlichenGenießens. Dieses leichte Volk kennet nicht die beschränkenden Grenzen,welche als Bergfels und jäher Abgrund, als Meer und öder, kräuterloser Sandselbst den Lauf der schnellen Gazelle hemmen, sein rascher Fittich spottetdes träge herannahenden Winters und entweichet diesem jauchzend, demFrühlinge nachziehend, von einem Land ins andere. Diesen fröhlichen Ge-sellen des blühenden Frühlinges und des früchteschwangeren Sommers drohetvergeblich der aufgesperrte Rachen des vierfüßigen Raubtieres oder derRiesenschlange, und der unbeholfenen Stärke spottend, holt sich der Ochsen-hacker, vom wohltätigen Instinkt getrieben, kühn die Nahrung aus demFell des unmutig brüllenden, wild um sich stoßenden Stieres, oder in denafrikanischen Wäldern erhaschet ungescheut der kleine Fliegenschnepperdas lästige Insekt am gähnenden Rachen des königlichen Löwen. Wenn nicht,wie überall auf unserer Erde, selbst dieses freie Volk unter sich uneinig, sichselber Gefahr brächte, oder der übermächtige Geist des Menschen mit seinenWaffen selbst diese Schnellen übereilte, so würde die Natur für die meistenunter ihnen nur beständigen Genuß und Freuden, keine Schrecknisse haben,und ein großer Teil der Vögel bringet das gesunde, fröhliche Leben aus einemJahrhundert ins andere hinüber, indem der mehr als hundertjährige Adleroder Schwan sich noch immer mit jugendlicher Kraft über Felsengipfel undMeere schwinget, Beute erspähend und haschend für die dem Alten fröhlichentgegen jauchzende Brut.
Hierbei deutet sich die Fülle der inneren Lebenskraft in den Vögeln demzergliedernden Blicke schon durch die ungewöhnliche Größe des Gehirns unddes scharfsichtigen Auges an, welches das Auge des weitschauendsten Säuge-tieres an Fernkraft noch weit übertrifft, und die innere Freude jauchzet ausdiesen vergnügten Wesen mit wundervoller Mannigfaltigkeit der Töne undso laut hervor, daß sie hierinnen selbst die lautstimmigsten Säugetiere wenig-stens sechsmal übertreffen. — —
So könnten die Vögel ein Abbild jener Seelen sein, welche entweder in dasdrückende Element der Erde noch nicht eingetaucht, frei über diesem schwe-ben, oder welche des beschwerenden Leibes ledig geworden und des Auf-schwunges nach oben fähig, mit dürstenden Augen das Licht eines ewigen,ungestörten Frühlings trinken. (Gotthilf Heinrich Schubert, Allgemeine Na-turgeschichte, 1826.)
GESANG DER VÖGELDas Singen der Vögel ist nichts, als eine nach der Leidenschaft veränderlicheBiegung der Stimme, welche von der Liebe den Atem bekommt, und wirhätten ohne diese keine so angenehmen Sänger.
Was muß doch aus den Vögeln singen,
Umsonst singt nicht ihr Mund so schön;
Ihr Herz muß den Gesang verstehn,
Sonst würd' ihr Lied so schön nicht klingen.
Allein wer gibt's dem Herzen ein,
Wer lehrt das Herz aus ihnen singen,
Sollt's nicht die Liebe sein? (Geliert.)
136