Osten. Der erste Strahl der Tagesdämmerung weckte mich. Kaum war dieSonne vollständig aus dem Meere aufgetaucht, als der Ruf „Matanzal"erscholl. Wir waren bald in den Booten, die diesmal nur siebzehn Manntrugen. Die Wächter erzählten uns beim Anfahren, daß ein gewaltiger Haiim Netze sei und die Thunfische, die schon davor gewesen, wieder verscheuchthabe. Wir stellten uns in gewohnter Weise auf. Das Heben des Netzesbegann. Bald sah man in der dunklen Tiefe die unbestimmten Umrisse einesUngetüms, das in Farbe und Größe einem braunen Eichstamme von Manns-dicke glich. Die Formen zeigten sich näher. Una Scrossola! riefen dieFischer wie aus einem Munde. Ich sah, wie sie mit Vorsicht die Maschenpackten, als fürchteten sie, der Hai möge heranschießen und nach der Handschnappen. Jetzt konnte ich auch den Fisch erkennen. Es war ein Hammer-hai von vierzehn Fuß Länge. Anfangs schwamm das gewaltige Tier ruhigim Kreise umher, so nahe an der Oberfläche, daß seine Rückenflosse ausdem Wasser hervorstand. Der breite hammerförmige Kopf mit den glotzendengrünen Augen an den Rändern gab dem Fische ein seltsames Ansehen. Alsdas Wasser aber seichter wurde, das Netz ihn an die Oberfläche drängte, dageriet der Hai in eine grenzenlose Wut. Er warf sich auf den Rücken undsperrte den Rachen auf, dessen scharfe Zähne uns entgegenstarrten, erschlug mit dem Schwänze, daß die Boote wankten und der Gischt weit in dieLuft spritzte. Die Zuschauer vom Strande versicherten später, daß wir manch-mal vor ausspritzendem Wasser unsichtbar gewesen seien. So furchtbar warendie Sprünge des rasenden Tieres, daß es einmal bei einem solchen Empor-schnellen mit dem Schwänze den Hut eines Freundes erreichte, der in demBoot stand, und ihn weithin in die Wogen schleuderte. Mit vieler Mühegelang es endlich, ihm ein Tau um den Hals zu schlingen. Unsere Kräftereichten kaum aus, es in das Boot zu hissen. Der Oberfischer bohrte ihm seinTaschenmesser ins Herz. Ein dicker Blutstrahl, wie beim Schlachten einesOchsen, schoß aus der Wunde hervor. Im Todeskampf schlug der Hai mitseinem Schwänze eine Ruderbank in die Höhe, die schwirrend in die Luftwirbelte und abseits in das Wasser fiel. Als wir ihn am Lande aufschnitten,fanden wir in seinem Magen einen halb verdauten, jungen Delphin, der etwadie Dicke eines Mannesschenkels hatte. Er war in drei Stücke zerbissen.Die Bißflächen sahen aus, als seien sie mit einem Messer geschnitten. Ichfing an, einige Geschichten von Haien zu glauben, die mir früher unwahr-scheinlich dünkten. (Carl Vogt, Altes und Neues aus Tier- und Menschen-leben, 1859.)
FREIHEIT DER VÖGEL
Es ist zunächst die Luft, welche überall in der uns umgebenden Natur Licht,Wärme und Leben wecket und welche mit bewegendem Fittich in der sonststummen Natur Schall und Töne hervorrufet. Wo dieser segnende Stromin das Innere eines lebenden Leibes tritt, da lodert die Flamme des Lebensalsbald kräftiger und frischer auf, der emporstrebende Mut erwachet undmit ihm zugleich Heiterkeit und seliges Vergnügen.Unter allen lebendigen Wesen unserer unsichtbaren Welt erscheinen die
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