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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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hohe Betula alba im dichten Walde von dem Meeresufer bis zum Fuße der Ge-birge und warf so ein wärmendes Gewand um die damals fruchtbare Insel, vondem kaum die Fetzen in Unterbusch und Zwergbirken zu sehen sind. Man darfdie Birke einen weiblichen, wo nicht weichlichen Charakter nennen. Ausblumiger Wiese steigt der schlanke, gerundete Stamm in leichtgeschwungener,oft anmutig geschlängelter Linie, nach oben schwach gebogen, doch mit ge-schmeidiger Härte der Gewalt der Elemente widerstrebend. Regelmäßige,graubemooste Furchen zerreißen wohl unten die glatte Rinde, die aus demBlättergrün hervorleuchtet,

als wäre dran aus heller NachtDas Mondlicht blieben hangen".

Kein mächtiger Ast tritt aus dem zähen Holz, vielmehr fällt ringsum ein zier-liches braunes Reisernetz in langen Flechten herab, das sich kaskadenartigund immer lockerer aufbaut, bis die dünne Krone wie in einem Federbüschelendet. Da ist auch nicht Raum für des kleinsten Vogels Nest: so luftig steht dasZweigwerk da. Und nun dieser dämmernde Laubschein drüber hin! Dieserzarte Schleier, der immer schwebend und schwirrend ringsher sein fliegendesGewürz ausstreut! Wahrlich ein rechter Märchenbaum! Übrigens ist es auchan der Birke zumeist die gesenkte Gestalt und das rastlose Gezitter der Blätter,was die träumerische, selbst schwermütige Stimmung hervorruft, die diesemBaume den Namen der Trauerbirke verschafft hat. Eben darum ist sie bei uns,wie im Süden die Zypresse, ein Schmuck der Friedhöfe geworden. Eine ge-spanntere, erhöhte Stimmung gibt das Zwielicht des Mondes dem Birkenhain.Die schattenhafte, zerfließende Gestalt des Baumes, das gespenstische Weißdes Stammes regen die Phantasie geisterhaft an. Anders geartet ist die Heide-birke. Die freier aufstrebenden Äste geben ihr ein munteres Ansehen, an denweichen Habitus der Hängebirke erinnert nur die leichte Biegung der Zweige,deren dünneres Laub geschwätzig auseinander flattert. Heitere, man möchtesagen mädchenhafte Grazie ist der Charakter dieses Baumes, und gerne schwingtsich der ländliche Reigen um sein duftiges Maigrün. Die Heidebirke erfreut wieder Anblick eines schön gelockten lieblichen Kindes, doch verliert sie sich aucheher als ihre ernste Schwester ins Dürftige.

Eichen und Linden vereinigen das Kräftige mit dem Weichen und Zarten. DieEiche gilt vorzugsweise als der Baum der Stärke. Ihre mächtige Größe, dasHarte, Knorrige des Stammes und der Äste, die gekrümmt, doch überwiegendrechtwinklig vom Stamme abstehen und feste, in sich kompakte, entschiedenausgeprägte Baumschlaggruppen nach allen Seiten hin bilden, dann die ge-ringere Beweglichkeit der Blätter alle diese Momente geben der Eiche diesekräftige, energische Haltung, sie steht da wie ein durch und durch bestimmter,in sich unerschütterlich entschiedener Charakter. Gemildert aber wird dieseStärke, es wird ihr das Schroffe, Harte genommen, besonders durch die weicheZeichnung und das saftige Hellgrün der Blätter, dann durch die reicheinnere Gliederung der Gruppen, zu welchen sie zusammentreten. Mehr nachdem Weichen hinneigend ist die Gestalt der Linde. Die Krone der Lindeist noch voller als die der Eiche, allein ihre Unterschiede treten nicht so fest

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