verhüllt steht sie da, ein Bild weinender, weiblicher Klage, gegenüber der auchin der Trauer noch stolzen, das Gemüt auch im Schmerze noch feierlich er-hebenden Zypresse. — Die lombardische Pappel verrät in dem vornehmenAnstände ihrer Haltung und in dem glänzenden Grün der festen Blätter so-gleich die südliche Abkunft. Doch ist sie bei uns so eingebürgert, daß sie billigfür deutsch gelten darf. Vielleicht ist kein Baum so verschiedenartig betrachtetworden als dieser. Der hohe, schlanke Stamm, an den sich ringsum die auf-wärtsstrebenden Zweige mit ihrem dichten dunklen Laube schmiegen, stellt dasLeben der Pappel recht als ein Sonnenleben dar. Darum wurde sie auch wohlvon unseren Dichtern als ein Baum himmlischer Sehnsucht, ja erhabenerTrauer gefeiert, und auch die Alten mochten ihr eine ähnliche Bedeutung ge-geben haben. Dennoch will uns die Pappel selten gefallen. Am meisten hatsich ihrer die altfranzösische Gartenkunst bemächtigt, welcher ein Baum, derfast gar keine Individualität entwickelt und selbst mit seinem Schatten kargt,besonders zusagen mußte. Die Pappel fügte sich leicht in das Ebenmaß dieserGartenarchitektur, während sie doch auch, gehörig gruppiert, den Eindruckstolzer schroffer Gravität geben konnte, welchen jene Parks, trotz aller ihrer
Rokokospielereien, nie zu verfehlen suchten.--------Ihr steht am nächsten die
Espe. Derselbe schlanke Wuchs, dasselbe Blatt, nur zierlicher gestaltet undmatter in der Farbe, dieselbe wässerige blasse Rinde. Auch die Verzweigungist ähnlich: aus einem geraden, doch niedrigeren Stamme entspringen in fastgleichmäßigen Zwischenräumen rechts und links die Äste, die meist spröde,parallele Linien bilden. Die Espe stellt ihr herzförmiges Blatt wie ein Täfelchenauf einen langen, feinen, merkwürdig drehbaren Stiel, und dieser selbst stehtnur mit einem schmalen Fuße auf dem Holze. So geschieht es, daß auch derleiseste Hauch die Blätter lüftet, und selbst bei ruhigem Wetter gewahrt manein Gezitter von Grün und Silber, welches nie austaumelt, immer hört man diesseltsame, scheue Gelispel. Daran knüpft sich denn auch der Name der Espe,so wie jene weit verbreitete Legende von dem hochmütigen Ungehorsam desBaumes. Als noch der Herr auf Erden wandelte, erzählt die Sage, beugten sichalle Bäume vor ihm, nur die Espe nicht. Darum wurde sie mit ewiger Unruhebestraft, so daß sie bei jedem Windhauche erschrickt und zittert, wie jenerewige Jude, der nie rasten kann. In alle Welt zerstreut sind die Enkel und Ur-enkel jenes übermütigen Baumes, ein zaghaftes Geschlecht, ewig bebend undflüsternd in der übrigen Ruhe der Wälder. — Dem Froste und dem Sturme,ja selbst dem Blitze trotzend, im sumpfigen Moore wie im dürren Sande ge-deihend, scheint die Birke nur der Spanne Erde zu bedürfen, worein sie ihreWurzeln senke. In den Niederungen Deutschlands, auf den Grasfluren Polenssteht sie in zerstreuten Gruppen und Hainen, weite schimmernde Waldstreckenfüllt sie in den Talgründen von Norwegen, und da selbst, wo ewiger Schnee denKiölengrat umhüllt, klammert sie sich an die stiefmütterliche Scholle. Dort ander letzten Marke der Vegetation beugt sie sich über das Gestein, wie dertrauernde Genius der Pflanzenwelt, in der Hand die umgestürzte Fackel: dasgrünende Pflanzenleben sinkt wieder in den Schoß der Erde zurück, dem essich schwerkämpfend entrungen. Vielleicht erstreckte sich ehedem das Reichdieses Baumes weiter hinauf als heute. Auf Island stand von alters her die
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