sonderbar gebildete Cereus-Stämme, welche sich hier wie ungeheure Kande-laber erheben, dort, in geschlossene Reihen zusammengedrängt, mit ihren gif-tigen Stacheln drohen, scheinen noch eine Spur des flüchtigen Lebens in sicherhalten zu haben. Wie ausgestorben steht der Wald, kaum ertönt der klagendeRuf eines Tukans, nur die Onze schleicht, weithin zwischen den entblättertenBäumen sichtbar, von Blutdurst brüllend, einher und schreckt den Wanderer.Der menschliche Bewohner durchirrt verzweiflungsvoll die dürre Wüste, umaus den tutenförmigen Blättern der Bromelien einen kümmerlichen Labetrunkzu sammeln. Überall das entsetzliche Bild einer langsamen Vernichtung. Sosahen wir diese furchtbaren Catingas, als wir sie in den ersten Monaten desJahres 1818 mit einem zahlreichen Trupp zwischen dem Rio Peruaguacu unddem Rio de S. Francisco durchreisten. Kein Quell, kein Tautropfen erquicktefünf Tage lang die ermatteten Reisenden, von Angst und Todesfurcht gejagteilten wir Tag und Nacht durch die ausgebrannte Öde, und von bangen Ahnungenerfüllt, schien es uns, als drohe — ein seltsames, durch Luftspiegelung erzeugtesBild — die Waldung über uns hereinzustürzen. Löste aber hier ein plötzlicherRegen die Bande des Pflanzenreiches, spannt sich das gewitterhafte Violett desFirmaments in ein sanftes Blau herab, so ersteht, wie im Zauberschlage, eineneue Welt. — Auf den vielverzweigten Stämmen sprießen Blätter von mildemGrün hervor, unzählige der seltsamsten Blumenformen entfalten sich, .die Ge-rippe der drohenden Dornhecken und Schlingpflanzen umkleiden sich mitfrischem Laube, die luftige Aricuri-Palme, aus deren faserigem Stamme derhungernde Einwohner ein ärmliches Brot gewinnt, läßt ihre duftenden Blüten-büschel hervortreten, —■ die ganze Gegend atmet balsamischen Wohlgeruch,und ein wonnigliches Frühlingsgefühl verjüngt die zurückkehrende Tierwelt.(K. Ph. von F. Martius, Physiognomie des Pflanzenreiches in Brasilien, 1824.)
DEUTSCHE LAUBBÄUME
Die Weide erscheint bei uns fast nur verstümmelt, mit plumpem Stamm undgeschorenem Haupt. Selbst dem Beile verfallen, war sie denn auch ehedem derBaum des Fluches und des Urteils, an welchem gehängt wurde. Ihre zäheLebenskraft entspricht ganz ihrem Habitus. Während aus dem Bauche deshohlen, geborstenen Stammes schon parasitisches Gesträuch hervorquillt, grüntauf der zerrissenen Rinde noch jeden Frühling ein üppiger Strauß von Zweigen,in dem manch munterer Vogel wohnt. Friedlich, wie zur Tränke wandelndeHerden, ziehen die Weiden den Bach entlang, stellen sich auch gern als ein be-scheidener Rahmen um das niedrig gelegene Dorf. Aber, wie lieb sie uns auchgeworden aus den Tagen fröhlicher Spiele und Lieder, solchergestalt bleiben siedoch immer unschön und charakterlos. Nur wo sie unangetastet von Men-schenhand emporwuchs, ist die Weide ein wirklich schöner Baum. Sie er-scheint, troz der viel- und scharfrissigen Rinde und trotz der schmalen, spitzigenBlätter graziös, und die biegsamen Zweige, die rastlos ihre dunkelhellen Wellenschlagen, geben ihr sogar einen entschieden weichen Ton. Die vollendetsteForm dieser Spezies zeigt die Trauerweide. Wie ein lang herabrollendes Haarsinken die Zweige, wie niederrinnende Tropfen die Blätter hinab. Ganz in sich
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