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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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einsamkeit, überall gespenstische Ausgeburten einer rohen Phantasie zu sehenglaubt. Eine ganz eigene Physiognomie nehmen diese Urwälder in den Niede-rungen am Amazonenstrome zu Zeit der Regenmonate an. Der Strom undhäufig benachbarte Seen, ergießen dann durch ihre Abzüge die Gewässer weit-hin in das Land und umfluten in einer Tiefe von zwölf bis zwanzig Fuß dieStämme der Bäume. Als wir im Dezember 1819 den Japura, einen der wich-tigsten Nebenflüsse des Amazonas, hinaufschifften, vertieften wir uns ineinen solchen Wassergarten und irrten drei Tage und drei Nächte darin umher,bis uns ein glücklicher Zufall in das Strombett zurückbrachte. Unvergeßlichwird uns der Anblick jener unübersehbaren Flut sein, durch welche der Windhier und da bewegliche, mit Waldung besetzte Raseninseln an uns vorübertrieb,während wir, bald unter dichtem Gebüsche, bald unter himmelhohen Bäumendahin ruderten. Die luftigen Hymenäen, Myrten, Styrax und Caryocar über-schütteten uns mit dem Schmucke ihrer herrlich roten und weißen Blüten, undwimmelnde Ballen von Ameisen, die sich ängstlich auf die Zweige geflüchtethatten, fielen beim geringsten Anstoße zu unserem Schrecken in die Kähneherab. Verlaufen sich allmählich die Hochwasser, welche fruchtbaren Schlammüber die Kakaowälder geführt haben, so erscheinen die steil abgestürzten Uferwieder, die sandigen Ränder derselben bedecken sich in kurzer Zeit mit hohemGrase, überall in den Wäldern regen sich neue Lebenskeime, und der phan-tastische, phallusähnliche Helosis, ein fleischiger, schwammförmiger Parasit,sproßt an den Baumwurzeln aus dem Schlamme hervor.Neben dem Charakter eines unerschöpflichen Reichtums und einer bewunde-rungswürdigen Fülle, Größe und Üppigkeit mannigfaltiger Baumformen,zeichnen sich diese großen Striche von Urwäldern besonders dadurch aus, daßsie stets im Kleide der Jugend, im grünen Blätterschmucke erscheinen. Zwarstehen zwischen den immer grünen Bäumen auch andere, welche mit Ende destrockenen Monats ihr Laub verlieren, die jungen Knospen treten jedoch soplötzlich hervor, daß man in diesem üppigen Garten nie einen nackten Stammerblickt. Unbeschreiblich ist deshalb die Pracht der Wälder, wenn im Frühlingedie riesenhaften Sapujacas ihre Kronen in das Rosenrot der jungen Blätterhüllen, die Jacaranda statt der Blätter ihre dunkelblauen, mehrere Bignonienihre goldgelben Blüten entfalten, oder die Quaresima sich mit violetten Blumenüberzieht.

Ganz anders verhält sich dies mit denjenigen Wäldern, welche vom Brasilianermit dem Namen Catingas oder lichte Wälder bezeichnet werden, während derDürre ihre Blätter verlieren und erst, wenn sich mit der nassen Jahreszeit einanhaltender Regen eingestellt hat, wieder ausschlagen. Sie bestehen aus Bäu-men von bedeutend niedrigerem Wüchse und erneuern, wenn sie entblättertsind, dem europäischen Reisenden das Bild seiner vaterländischen Laubwälderim Beginne des Winters. Dürre, quellenarme Gegenden, deren Flüsse währenddes Sommers versiegen, hügeliges Land oder Ebenen sind das Vaterland diesersonderbaren Wälder. Nur mit Furcht und Grauen durchzieht sie der Reisendein den trocknen Monaten. So weit er blickt, umstarren ihn regungslos, vonkeinem Lüftchen gefächelt, die entblätterten Stämme, kein grünes Blatt, keinesaftige Frucht, kein frischer Grashalm auf dem glühenden, nackten Boden, nur

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