ist die Fruchtbarkeit solcher jungfräulichen Waldungen (Matto-virgem), indenen früher nie die Schläge der Axt waren gehört worden. Wenn die abge-hauenen Stämme verbrannt und der ausgerodete Boden mit Bohnen, Mais,Mandiocca, Kaffee, Baumwolle oder Zuckerrohr bestellt ist, rechnet man, voneiner Ernte die Aussaat 150- bis soofältig zurückzuerhalten. Wird der abge-triebene Wald sich selbst überlassen, so kehren die Schläge nach wenigenJahren in einen Zustand der Verwilderung zurück und bedecken sich mit einemdichten Anfluge schnell wachsender Bäume und Sträucher, den man in Brasi-lien Capoeira nennt. In gleicher Ausdehnung, als sich diese Urwälder im mitt-leren Teile Brasiliens über die Berge, Hügel und Täler der Serra do Mar ver-breiten, sollen sie nach den Berichten der Eingeborenen den nördlichen Pro-vinzen Pernambuco, Paraiba do Norte und Ceara nicht eigen sein. Dergranitische oder kalkhaltige Boden jener dürren Landstriche scheint der Er-zeugung so hoher Urwälder minder günstig, und diese machen hier mehr iso-lierte Bestände aus, welche häufig mit den Catingas oder periodisch blattlosenWäldern abwechseln. Je näher man jedoch nördlich von dem reißenden Par-nahyba-Strome an den Äquator kommt, desto häufiger tritt wieder der Urwaldauf, und fast scheint es, als verleihe die lotrechte Sonne hier der Erde gedoppelteKraft, um das Größte und Ungeheuerste aus ihrem Schöße zu gebären. Finsterwie die Hölle, verworren wie das Chaos, erstreckt sich hier ein undurchdring-licher Wald gigantischer Stämme von der Mündung des Amazonenstroms bisweit über das potrugiesische Gebiet nach Westen. Dieselbe Fülle, Größe undMajestät der Formen, wie in den südlicheren Wäldern, herrscht auch hier, aberunter dem Einflüsse der glühendsten Hitze, der fast täglich herabstürzendenRegen, der weithin austretenden Ströme scheint die Vegetation in einerewigen Unruhe und Gärung begriffen. Schnell feiern die riesenhaften Stämmewie die zarten Kräuter des Bodens, durch das Ausschlagen ihrer majestä-tischen Kronen und durch unzählige Blüten, womit sie sich bedecken, denWendepunkt der Entwicklung. Zur Zeit der Reife fallen die wunderbarstenFormen von Samen und Früchten herab und bedecken hier und da fast fußtiefdie lebensschwangere Erde. Ungeheure Massen kohlensauren Gases entsteigendann den wachsenden und faulenden Keimen, und eine dicke, schwere Lufthängt qualmend über der Waldung. Das saftreiche glänzende Laub, die langvon den Ästen herabhängenden, baumbastähnlichen Tillandsien triefen be-ständig vom Regen, die Stauden der Bromelien stehen gleich Bechern mitWasser gefüllt. Dazwischen trocknen heiße Sonnenblicke schnell die nasseWildnis, und so kommen Auflösung und Fäulnis unmittelbar im Gefolge derheftigsten Lebenserregung. Die sittsame Natur des Pflanzenreiches scheintsich auf einmal in einem unruhigen Drange nach sonderbar grotesken Gestal-tungen zu gefallen. Gebüsche von bösartigreizenden Dornen, Palmen mitfurchtbaren Stacheln bewaffnet, milchende, engverschlungene Lianen ver-wirren die Sinne des Wanderers, der. von den betäubenden Ausdünstungender Oassacu getroffen, ängstlich aus diesem feindseligen Chaos in die ruhigeMajestät der Urwälder auf der Serra do Mar sich zurücksehnt. Kein Wunder,wenn in diesen Umgebungen die Seele des hier umherstreifenden Indianersverdüstert wird und er, ergriffen von den Schauern solcher schwarzen Wald-
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