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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
118
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Was soll ich nun ferner über Leitung der nährenden Flüssigkeiten, über Ver-wandlung derselben zu organischen Elementen, Zellen und Gefäßen, über dieRichtung und Anordnung derselben zu äußeren Organen sagen? Alle dieseGeschäfte sind so mannigfach ineinander verschlungen, sie bedingen sich sowechselweise, sie werden von der Pflanze so rechtzeitig und immer unter Be-rücksichtigung der äußeren Lebensverhältnisse ausgeführt, alle diese Ge-schäfte geschehen ferner unter einem so entschiedenen Gepräge der Individuali-tät bei jeder einzelnen Pflanze, daß wir wahrlich nicht umhin können, die Kraft,welche alles dieses ausführt, eine wunderbar reiche und mächtige Kraft zunennen. (Karl Fr. Ph. v. Martius, Reden und Vorträge aus dem Gebiete derNaturforschung, 1838.)

BRASILIANISCHER URWALD

An der Küste von Brasilien entlang, bald nur wenige, bald dreißig bis vierzigMeilen von ihr entfernt, in seiner Hauptrichtung fast immer mit derselbenparallel, zieht sich ein Gebirge, welches mit dem Namen Serra do mar, See-cordillere, bezeichnet wird. Dieser gesamte Gebirgszug, die Schutzmauer desLandes gegen den Ozean, ist fast in seiner ganzen Ausdehnung mit einemdichten, himmelhohen Walde bekleidet, welcher, so alt als die Felsen, überdenen er wurzelt, gleichsam das Maß aller schöpferischen Kraft und Üppigkeitdes Kontinents darstellt. Die Größe der himmelanstrebenden Stämme, dieFülle des mannigfaltigen Laubes, der Glanz und die Farbenpracht von tausendverschiedenartigen Blumen, das üppige Gewirre dichter Gehege und weit-verschlungener Lianen, die wunderlichen Gestalten der Parasiten, die auf denalten Bäumen ein junges Reich gründen welch großes, erhabenes undreiches Bild! Der Wanderer fühlt sich hier zugleich erhoben und beängstigt.Die Schauer der Einsamkeit dieser dunklen Waldnacht paaren sich mit densüßen Genüssen einer so fremdartigen Anschauung und mit dem ehrfurchts-vollen Staunen über die höchste Allmacht, welche hier eine neue Welt vor un-sere Blicke zaubert, in einer früher nie vernommenen Sprache zu uns sprichtund selbst in dem bescheidenen Leben des ruhigen Pflanzenreichs uns die Kraftund Majestät ihrer Schöpfung offenbart. Diese Wälder nehmen in den öst-lichen Provinzen Brasiliens in einem zusammenhängenden Striche viele tausendQuadratmeilen ein und werden mit dem Namen der allgemeinen Waldung(matta geral) bezeichnet. Sie sind der Zufluchtsort jener wilden Indianer-horden, die, noch nicht der portugiesischen Oberherrschaft unterworfen, darinals unruhige Nomaden umherstreifen. Hier hausen der träge Coroado, derwilde Puri, der menschenfressende Botocudo und andere minder zahlreicheVolksstämme, von Jagd, Fischfang, den Nüssen des Topfbaumes und anderenFrüchten des Waldes oder von einem unbedeutenden Anbau des Mais, derMandiocca und der Banane lebend. Die Länder dieser ungeheuren Urwal-dung, sowohl gegen das Meer als gegen die von Portugiesen bewohntenDistrikte im Innern, namentlich gegen Minas Geraes hin, sind in großenStrecken schon urbar gemacht, aber in der Tiefe derselben haben sich Kolo-nisten nur hier und da längs den großen Flüssen niedergelassen. Unglaublich

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