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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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einzeln stehende Fächerpalmen erinnern den Wanderer, daß diese EinödenTeile einer belebten Schöpfung sind. Im trügerischen Lichtspiele, das diestrahlende Wärme erregt, sieht man bald den Fuß dieser Palmen frei in derLuft schweben, bald ihr umgekehrtes Bild in den wogenartig zitternden Luft-schichten wiederholt. Auch westlich von der peruanischen Andeskette, an denKüsten des Stillen Meeres, haben wir Wochen gebraucht, um solche wasser-leere Wüsten zu durchstreichen.

Der Ursprung derselben, diese Pflanzenlosigkeit großer Erdstrecken, in Gegen-den, wo umher die kraftvollste Vegetation herrscht, ist ein wenig beachtetesgeognostisches Phänomen, welches sich unstreitig auf alte Naturrevolutionen,auf Überschwemmungen, oder vulkanische Umwandlungen der Erdrinde,gründet. Hat eine Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren, ist der Sandbeweglich und quellenleer, hindert die heiße, senkrecht aufsteigende Luft denNiederschlag der Wolken, so vergehen Jahrtausende, ehe von den grünenUfern aus organisches Leben in das Innere der Einöde dringt.Wer demnach die Natur mit einem Blick zu umfassen und von Lokalphäno-menen zu abstrahieren weiß, der sieht, wie mit Zunahme der belebendenWärme von den Polen zum Äquator hin sich auch allmählich organische Kraftund Lebensfülle vermehren. Aber bei dieser Vermehrung sind doch jedem Erd-striche besondere Schönheiten vorbehalten, den Tropen Mannigfaltigkeit undGröße der Pflanzenformen, dem Norden der Anblick der Wiesen und das perio-dische Wiedererwachen der Natur beim ersten Wehen der Frühlingslüfte.Jede Zone hat außer den ihr eigenen Vorzügen auch ihren eigentümlichenCharakter. Die urtiefe Kraft der Organisation fesselt, trotz einer gewissenFreiwilligkeit im abnormen Entfalten einzelner Teile, alle tierische und vege-tabilische Gestaltung an feste, ewig wiederkehrende Typen. So wie man an ein-zelnen organischen Wesen eine bestimmte Physiognomie erkennt, wie beschrei-bende Botanik und Zoologie, im engern Sinne des Worts, Zergliederung derTier- und Pflanzenformen sind: so gibt es auch eine Naturphysiognomie,welche jedem Himmelsstrich ausschließlich zukommt. (Alexander von Hum-boldt, Ansichten der Natur, 1808.)

UMWANDELNDE KRAFT DER PFLANZE

Die ganze Stärke der pflanzlichen Tätigkeit gibt sich zu erkennen, wenn wirbedenken, daß hier Unorganisches zu Organischem gemacht und gestaltetwerden muß. Es ist dies ein wesentlicher Charakter, durch welchen sich diePflanzen vom Tiere, das größtenteils nur organisierte Nahrung aufnimmt, unter-scheiden. Die Pflanze vermag also dem ursprünglichen Toten das Siegel desLebens aufzudrücken, sie erweckt in sich das Tote zum Leben. Bekanntlichnährt sich das Gewächs aus der Erde, aus dem Wasser und aus dem Luftkreise,und wir finden in ihm, wenn wir es durch chemische Analyse ertöten, die ver-schiedenen Elemente wieder, deren Aufnahme ihm während des Lebens vor-zugsweise gestattet war.-------Diese so verschiedenartigen Elemente, elastisch

flüssige Luftarten ebenso wie starres, festes Eisen und harten Kiesel, vermagalso das Gewächs zu bewältigen, in den Kreis seines Lebens aufzunehmen.Welche Kraft der plastischen Seele!

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