Erde sucht, um daraus das Spiel des pflanzlichen Lebens in angestammterWeise zu wiederholen.
So ist im Leben des Gewächses die Doppelrichtung: Sorge für das Individuumund Sorge für die Art, auf die wundervollste Weise ineinander verschlungen.Alle Tätigkeiten, welche die Vermehrung des individuellen Pflanzenleibesbezwecken, sind Vorbedingungen für das Hervorbrechen einer höheren, derZukunft gewidmeten Tätigkeit. Der Stamm entkleidet sich des Schmuckesseiner grünen Blätter, sobald er die Reife erlangt hat, um edlere Gestal-tungen an sich hervortreten zu lassen. Jene welken und fallen hinweg, gleich-sam ein Opfer des individuellen Lebens. Und noch schneller und flüchtigergehen die mit höheren Kräften ausgestatteten Blätter des Blütenapparatesvorüber, doch nicht ohne in der Frucht und in dem Samen eine Gewährschaftkünftiger Geschlechter zurückzulassen. Manches Gewächs überlebt kaum denAkt seiner Sorgfalt für die Nachkommenschaft und schwindet eilig dahin.Ein anderes trotzt mit seinem gewaltigen Riesenstamme durch Jahrhundertedem Einfluß der Zeit, doch eines wie das andere huldigt in der periodischenEntfaltung der Blätter und Blüten den großen Mächten der Sonne und der Erde,welche sich zu gleichen Hälften in das Leben der Pflanze geteilt haben. (Karl Fr.Ph. von Martius, Reden und Vorträge aus dem Gebiete der Naturforschung, 1838.)
ENTSPRECHUNG VON WURZEL UND KRONE
Man kann den Baum umkehren, seine Zweige in die Erde senken und dieWurzel dem Lichte zuwachsen lassen, und es wird die Wurzel Blätter zu tragenanfangen, und der Stamm wird sich in die Wurzel verwandeln, ebenso gut, wieder Polyp sich selbst umstülpt, und alle Augenblicke sein inneres Hautsystemin ein äußeres und das äußere in ein inneres verwandeln kann.Die unterirdische Pflanzenhälfte ist ein sehr treues und analoges Abbild deroberirdischen, und in ersterer finden wir alle diejenigen Organe der letzteren,welche sich nicht auf die Fortpflanzung der Gattung, sondern auf die Erhal-tung des Individui beziehen, wiederholt und, wiewohl auf einer etwas niederenEntwicklungsstufe, nachgebildet. Der Wurzelstamm entspricht dem ober-irdischen Stamme, die Wurzelfasern den oberirdischen Zweigen, die Wurzel-zasern den Blättern. Für die Blume findet sich unter der Erde kein Analogon,wohl aber zuweilen für Frucht und Samen, insofern nämlich die Wurzel unterdem Namen der Knollenwurzel, sowohl der Form als Mischung nach, einenfrucht- und samenähnlichen Charakter annimmt (Kartoffel). Unter der Erdezeigen die Pflanzenorgane ein deutliches Streben nach vorherrschenderLängendimension, und in der Bildung der Wurzelzasern wird diesem StrebenGenüge geleistet. Über der Erde zeigen die Pflanzenorgane ein vorwaltendesStreben, sich nach der Breite zu entwickeln, und in der Bildung der Blätter wirddieses Streben beendigt. Die Blätter sind verbreitete Wurzelzasern, die Wurzel-zasern skelettierte Blattrippen. Beide sind dem Wesen nach gleich und nur demSitze und der Funktion nach modifiziert. Erstere sind dem Lichte, letztere der
Dunkelheit zugekehrt, erstere saugen Luft, letztere unterirdisches Wasser.-------
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die unteren und oberen Blätter einer Pflanzein der Regel schmaler sind, als die mittleren, und daß sich die elliptische Form
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