auch das Wild in kleine Trupps zu 6, 8, 10 bis 12 Stück zusammen, verbirgtsich aber, vielleicht aus Gefallsucht, vor dem Brunfthirsche. Dieser trolltunaufhörlich mit zu Boden gesenkter Nase umher, um zu wittern, wo esgezogen ist und steht. Findet er noch schwache Hirsche oder Spießer dabei,so vertreibt er sie und bringt sich in den Besitz der Alleinherrschaft, welcheer von nun an mit der größten Strenge ausübt. Keine der erwählten Geliebtendarf sich nur auf 30 Schritt weit entfernen, er treibt sie sämtlich auf dengewählten Brunftplatz. Hier, von so viel Reizen umgeben, vermehrt sichder Begattungstrieb stündlich, aber noch immer weigern sich wenigstens diejüngeren Spröden, die Schmaltiere, welche er unausgesetzt umherjagt, sodaß der Platz ganz kahl getreten wird.
Abends und morgens ertönt der Wald vom Geschrei der Brunfthirsche, welchesich jetzt kaum den Genuß des nötigen Geäses und nur zuweilen Abkühlungin einer benachbarten Suhle oder Quelle, wohin die Tiere sie begleiten müssen,gestatten. Andere, weniger glückliche Nebenbuhler beantworten neidisch dasGeschrei. Mit dem Vorsatze, alles zu wagen, um durch Tapferkeit oder Listsich an die Stelle jener zu setzen, nahen sie sich. Kaum erblickt der beimWilde stehende Hirsch einen anderen, so stellt er sich, glühend vor Eifer-sucht, ihm entgegen. Jetzt beginnt ein Kampf, welcher oft einem der Streiten-den, nicht selten beiden, das Leben kostet. Wütend gehen sie mit gesenktenGehörnen aufeinander los und suchen sich mit bewundernswürdiger Gewandt-heit wechselweise anzugreifen oder zu verteidigen. Weit erschallt im Waldedas Zusammenschlagen der Geweihe, und wehe dem Teile, welcher aus Alters-schwäche oder sonst zufällig eine Blöße gibt! Sicher benutzt diese der Gegner,um ihm mit den scharfen Ecken der Augensprossen eine Wunde beizubringen.Man kennt Beispiele, daß die Geweihe beim Kampfe sich so fest ineinanderverschlungen hatten, daß der Tod beider Hirsche die Folge war, und auchdann vermochte keine menschliche Kraft, sie ohne Verletzung der Endenzu trennen. Oft bleibt der Streit stundenlang unentschieden. Nur bei völligerErmattung zieht sich der Besiegte zurück, der Sieger aber findet seinen Lohnim unersättlichen, immer wechselnden Genüsse von Gunstbezeigungen derTiere, welche dem Kampfe zusahen.
Das Tier geht 40—41 Wochen tragend. Es setzt, je nachdem es während derBrunft zeitig oder spät beschlagen wurde, zu Ende Mai oder im Juni ein Kalb,selten zwei. Wenn die Setzzeit herannaht, sucht es Einsamkeit und Ruheim dichtesten Holze. Die Kälber sind in den ersten drei Tagen ihres Lebensso unbeholfen, daß sie sich nicht von der Stelle bewegen. Man kann sie sogarmit der Hand aufnehmen. Nur selten und auf kurze Zeit verläßt sie in dieserZeit die Mutter, und selbst wenn sie verscheucht wird, entfernt sie sich nurso weit als nötig ist, um durch vorgegebene Flucht die wirkliche oder ein-gebildete Gefahr abzuwenden. Nachdem das Kalb nur eine Woche überlebthat, würde die Mühe vergeblich sein, es ohne Netze fangen zu wollen. Überallfolgt es nun der Mutter und drückt sich sogleich im hohen Grase, wenn diesesich meldet, das heißt einen Laut des Schreckens von sich gibt oder mit demVorderlaufe schnell und stark auf den Boden stampft. Es besaugt das Tier biszur nächsten Brunftzeit und wird von diesem über die Wahl der ihm dien-
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