auch da, wo sie den Baum berührt, ihre Rinde und saugt sich mit ihremFleische an ihn fest, aber bei fünfzehn bis zwanzig Fuß Höhe ist ihr alles diesnicht genug — sie schmiegt sich nicht nur an ihn, sie umarmt ihn — von demLianenstamm gehen zwei kleine Äste einander gegenüber seitlich aus undgreifen immer weiter, bis sie den Baum völlig umringt haben. Diese Arme— man kann sie gar nicht anders nennen — wachsen da, wo sie sich begegnen,zusammen, werden immer stärker und fester, dienen der Pflanze zur unlös-lichen Stütze, erwürgen aber den Baum, weil sie, immer kräftiger werdend,wie die Liane wächst, doch nicht weiter werden. Der Baum erhält mithinhier eine Schnürung, eine Unterbindung, die ihm schon sehr unbequem wirdund das natürliche Fortwachsen hindert, nun aber, wie die Liane höher undhöher steigt, schlingt sie bei abermals fünfzehn bis zwanzig Fuß Höhe einneues Paar Arme um ihn, und bei abermals solcher Höhe wieder eines, unddas Holz desselben ist so unbeschreiblich fest, daß selbst die Naturkraft desWachstums, welche in einem starken Baume groß genug ist, um einen eisernenReifen zu sprengen, nichts dagegen vermag — so wird der Baum im Laufeder Jahre erstens unförmlich, verkrüppelt, indem er zwischen den Schnü-rungen Anschwellungen bildet, dann aber wird er krank und stirbt, und dieLiane würde nunmehr niederstürzen, wenn sie nicht unterdessen die Gipfelder Bäume erklettert und sich mit ihren Ranken und Luftwurzeln dort fest-geankert hätte, so daß sie auch ohne den Baum, an welchem sie emporwucherte,und welchen sie zum Dank erstickte, wenn schon nicht auf ihren Füßen steht,so doch an ihren Armen wie an vielen starken Seilen hängt.Diese mörderische Liane, übrigens der bisher gegebenen Beschreibung wegennicht mörderischer, als jede andere, denn sie alle erwürgen oder töten aufandere Weise diejenigen Bäume, welche ihnen zur Stütze dienten, sagt unserFührer —■ sei der Tjetek, aus deren Safte vorzugsweise, wenn er der Wurzelentnommen wird, die javanischen Malayen ihr furchtbares Upas Radja, dasheißt Gift der Fürsten, kochen. Denn erst hierdurch und durch die anderweitigeVeränderung des Saftes, durch Zusatz von Gewürzen, namentlich Pfeffer,Ingber, Galgant und dem Samen von Capsicum fructicosum, eine Art unseres,als Zierpflanze wegen seiner schönen, hochrot gefärbten Schoten kultiviertenspanischen Pfeffers, wird der Saft der Wurzel so tödlich giftig. (W. F. A.Zimmermann, Der Erdball und seine Naturwunder, 1855.)
HIRSCHBRUNFT
Die Brunftzeit des Edelwildes fängt mit Eintritt des Monats September anund dauert bis Mitte Oktober. Schon gegen Ende August, wenn die Hirscheam feistesten sind, erwachen in den stärksten die Triebe zur Brunft. Sieäußern dies durch ihr Schreien, einen Laut, welcher dem Jäger angenehm,dem musikalischen Ohre aber nichts weniger als schmeichelnd ist, infolge-dessen ihnen gleich anfangs der Hals anschwillt. Denselben Ort, wo der Hirscheinmal gebrunftet hat, wählt er, solange das Holz nicht abgetrieben wird,und falls er Ruhe hat, in den folgenden Jahren immer wieder. Solche Stellennennt man Brunftplätze. In der Nachbarschaft derselben zieht sich dann
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