Druckschrift 
5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Blumenblätter, die eine herrliche elfenbeinweiße Färbung zieren, sich aus-breiten und einer dichtgefüllten kolossalen Päonie gleichen. Ein kleinerKreis von Petalen bleibt noch geschlossen und bildet eine stumpfe Spitze,wie man sie häufig bei sich schwer öffnenden Teerosen findet. Das zweiteStadium der Blüte, welches erst am Nachmittage des anderen Tages eintritt,beginnt, nachdem sich die Blume wieder so weit wie am vorigen Tage geöff-net, damit, auch diesen dichten Kreis zu erschließen, der das Innere enthüllensoll. Die Zeichnung dieses letzten Kranzes von Petalen besteht in einemMittelstreifen von saftig-purpurroter Farbe, die nach der Spitze hin in tupfen-förmiger Malerei verläuft, während die Färbung der Umrandung in einenleichten gelben Schimmer übergeht. Die Befruchtungswerkzeuge treten durchdiesen Akt indes noch immer nicht zutage, indem sie durch eine Übergangs-bildung von Blumenblättern in sterile Staubgefäße gleich einer Kapsel gedecktwerden, durch deren Emporstreben die Blume in das dritte Stadium der Ent-wicklung tritt. Diese Organe bleiben in gerader Richtung, die Spitzen nachauswärts gebogen, stehen und haben das Ansehen einer zackigen, roten,mit Weiß verbrämten Krone. Jetzt erst beginnt die Tätigkeit der Zeugungs-organe, die in unruhiger Bewegung ihre Funktionen verrichten und durchihr Aufschnellen den Samenstaub auf das gleich einem kleinen Kegel in derTiefe des Fruchtbodens stehende Pistill fallen lassen und auf diese Weisedie Befruchtung bewirken. Nach Verlauf einiger Stunden ist der Befruch-tungsprozeß beendigt, die Staubfäden verlieren ihr lebendiges Wesen, indemsie in unordentlichen Lagen die Öffnung überdecken, und die schützendeKapsel schließt bis zum Morgen in langsam sich senkender Bewegung dieStätte der geschehenen Zeugung zu. Die übrigen Blumenblätter streben nunebenfalls wieder nach oben, in mehr oder weniger rascher Folge, je nachdemes die Einwirkung des Lichtes bedingt. Gegen Mittag des dritten Tages end-lich, oder öfter auch noch später, endet dieses hehre Schauspiel: die Blumen-blätter, deren glänzend reine Färbung schon gegen den Anfang des drittenStadiums einem verwischten schmutzigen Gelb mit rötlichem Scheine Platzgemacht, haben sich in nachlässiger loser Haltung wieder zusammengelegt,indem ihnen ebenso die Kelchblätter gefolgt sind, die Reste der Blumesenken sich nach und nach unter Wasser, um die Samen in diesem Elementeauszubilden. (Eduard Löscher, Die königliche Wasserlilie, 1852.)

BAUMMÖRDERSiehe, da zeigt uns der kundige Führer eine breitgedrückte graubraune Schlange,welche sich über hundert Fuß an einem geraden, prächtigen Stamme des in-dischen Eichenbaumes emporringt! es ist eine der vielen Lianen, welchein ihrer Kindheit wie ein zierliches junges Bäumchen gerade emporwachsen,bis sie, zu hoch, um sich selbst zu tragen, nach irgendeiner Seite sinken unddabei irgendeinen Stamm eines Baumes berühren der Baum wird nun dieStütze der zarten Pflanze, welche anfangs kaum die Dicke eines Bleistifteshat sobald sie aber sich an den Baum lehnt, so faßt sie mit leichten Wurzelnan ihm Boden. Nun schwillt sie fingerdick, armesdick auf, klettert immerhöher und höher, verflacht sich, verliert ihre zylindrische Gestalt, verliert

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