sammengesetzt, doch verleugnet sie sogar die grüne Farbe nicht. Wollen wirdas Mikroskop zu Hilfe nehmen, so finden wir mehrere Narben, zum Beispieldes Krokus, der Zanichella, als völlige ein- oder mehrblätterige Kelche gebildet.Rückschreitend zeigt uns die Natur öfters den Fall, daß sie die Griffel undNarben wieder in Blumenblätter verwandelt, zum Beispiel füllt sich derRanunculus asiaticus dadurch, daß sich die Narben und Pistille des Frucht-behälters zu wahren Kronenblättern umbilden, indessen die Staubwerkzeugegleich hinter der Krone oft unverändert gefunden werden. Einige anderebedeutende Fälle werden unten vorkommen.
Wir wiederholen hier jene oben angezeigten Bemerkungen, daß Griffel undStaubfäden auf der gleichen Stufe des Wachstums stehen, und erläutern jenenGrund des wechselweisen Ausdehnens und Zusammenziehens dadurch abermals.Vom Samen bis zu der höchsten Entwicklung des Stengelblattes bemerktenwir zuerst eine Ausdehnung, darauf sahen wir durch eine Zusammenziehungden Kelch entstehen, die Blumenblätter durch eine Ausdehnung, die Ge-schlechtsteile abermals durch eine Zusammenziehung, und wir werden nunbald die größte Ausdehnung in der Frucht und die größte Konzentration indem Samen gewahr werden. In diesen sechs Schritten vollendet die Naturunaufhaltsam das ewige Werk der Fortpflanzung der Vegetabilien durch zweiGeschlechter. (Goethe, Versuch über die Metamorphose der Pflanzen, 1831.)
DIE KÖNIGLICHE WASSERLILIE
Das Erscheinen der Knospe über der Wasserfläche ist zugleich die untrüg-liche Anzeige, daß im Laufe des dritten Tages, von da an gerechnet, die Blumesich entfalten wird, vorausgesetzt, daß die Jahreszeit noch nicht zu weit demHerbst zugerückt ist, und die Sonne Licht und Wärme noch hinreichend zu spendenvermag; denn nach dem eingetretenen Mangel dieser beiden lebenerzeugendenFaktoren hält die Blume diesen bestimmten Turnus nicht mehr ein. Hateine Blumenknospe den Wasserspiegel durchbrochen, so erhebt sie sich andemselben Tage bis zu einem Dritteil ihrer Größe über die Oberfläche desWassers. Am anderen Morgen, bis wohin sie in derselben Stellung verblieben,macht sich wieder reges Leben bemerkbar, indem die Knospe in kurzer Zeitin ihrer ganzen Länge über der Fläche sichtbar wird, in welcher Lage siejedoch nicht lange verweilt, sondern sich bis zum Abend wieder bis zur Hälftein das Wasser senkt. Auffallenderweise fällt dieses rasche Emporheben derKnospe fast lediglich in die Morgenstunden von sieben bis neun Uhr, und istwährend dieser Zeit eine sonderbare Unruhe, eine immerwährende Bewegungwahrzunehmen. Die Knospe bleibt nicht immer in einer und derselben Lage,sondern wird durch eine innere Kraft unstät und in elektrischer Bewegungim Halbkreise von einer Seite zur anderen getrieben, bis gegen Abend, nach-dem sie sich wieder gesenkt, eine größere Ruhe eintritt. Den dritten Tagendlich, an welchem sie am Nachmittag sich öffnen will, steht sie nur bis anden Fruchtknoten aus dem Wasser in einer etwas überhängenden Lage.Gegen vier oder fünf Uhr nachmittags, je nachdem der Nachmittag durchdie Witterungsverhältnisse begünstigt wird, ist endlich der große Momenteingetreten, an welchem die Blumenkönigin zum letzten Male in ihrer Jung-
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