den Staubgefäßen durch gleiche Wirkung der Natur entgegengewachsen sind,wenn er sich fest an sie anhängt und seine Einflüsse ihnen mitteilt, so sindwir nicht abgeneigt, die Verbindung der beiden Geschlechter eine geistigeAnastomose zu nennen und glauben wenigstens einen Augenblick die Begriffevon Wachstum und Zeugung einander näher gerückt zu haben.Die feine Materie, welche sich in den Antheren entwickelt, erscheint uns alsein Staub. Diese Staubkügelchen sind aber nur Gefäße, worin höchst feinerSaft aufbewahrt ist. Wir pflichten daher der Meinung derjenigen bei, welchebehaupten, daß dieser Saft von den Pistillen, an denen sich die Staubkügelchenanhängen, eingesogen und so die Befruchtung bewirkt werde. Es wird diesesum so wahrscheinlicher, da einige Pflanzen keinen Samenstaub, vielmehrnur eine bloße Feuchtigkeit absondern.
Wir erinnern uns hier des honigartigen Saftes der Nektarien und dessenwahrscheinlicher Verwandtschaft mit der ausgebreiteteren Feuchtigkeit derSamenbläschen. Vielleicht sind die Nektarien vorbereitende Werkzeuge, viel-leicht wird ihre honigartige Feuchtigkeit von den Staubgefäßen eingesogen,mehr determiniert und völlig ausgearbeitet, eine Meinung, die um so wahrschein-licher wird, da man nach der Befruchtung diesen Saft nicht mehr bemerkt.Wir lassen hier, obgleich nur im Vorbeigehen, nicht unbemerkt, daß sowohldie Staubfäden als Antheren verschiedentlich zusammengewachsen sind unduns die wunderbarsten Beispiele der schon mehrmals von uns angeführtenAnastomose und Verbindung der in ihren ersten Anfängen wahrhaft ge-trennten Pflanzenteile zeigen. — —
Wir konnten beobachten, daß die Staubgefäße durch eine Zusammenziehunghervorgebracht werden, die Griffel sind oft in demselbigen Falle, und wirsehen sie, wenn auch nicht immer, mit den Staubgefäßen von gleichemMaße, doch nur weniges länger oder kürzer gebildet. In vielen Fällen siehtder Griffel fast einem Staubfaden ohne Anthere gleich, und die Verwandtschaftihrer Bildung ist äußerlich größer als bei den übrigen Teilen. Da sie nunbeiderseits durch Spiralgefäße hervorgebracht werden, so sehen wir destodeutlicher, daß der weibliche Teil so wenig als der männliche ein besonderesOrgan sei, und wenn die genaue Verwandtschaft desselben mit dem männlichenuns durch diese Betrachtung recht anschaulich wird, so finden wir jenen Ge-danken, die Begattung eine Anastomose zu nennen, passender und einleuchtender.Wir finden den Griffel sehr oft aus mehreren einzelnen Griffeln zusammen-gewachsen, und die Teile, aus denen er besteht, lassen sich kaum am Ende,wo sie nicht einmal immer getrennt sind, erkennen. Dieses Zusammen-wachsen, dessenWirkung wir schon öfters bemerkt haben, wird hier am meistenmöglich, ja es muß geschehen, weil die feinen Teile vor ihrer gänzlichenEntwicklung in der Mitte des Blütenstandes zusammengedrängt sind undsich auf das innigste miteinander verbinden können.
Die nahe Verwandtschaft mit den vorhergehenden Teilen des Blütenstandeszeigt uns die Natur in verschiedenen regelmäßigen Fällen mehr oder wenigerdeutlich. So ist zum Beispiel das Pistill der Iris mit seiner Narbe in völligerGestalt eines Blumenblattes vor unseren Augen. Die schirmförmige Narbeder Saracenie zeigt sich zwar nicht so auffallend aus mehreren Blättern zu-
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