wachs jene grünen Blätter abgewandelt und dafür andere, höhere Formeneingeführt! Ist es nicht, als ob es sie mit einem Zauberschlage hervorgebrachthätte ? Ist es nicht, als wenn die Pflanze eine zweite ganz andere auf sich auf-gesetzt hätte ? Noch entschiedener zeigt sich dies Verhältnis bei den Pflanzen,die nur einmal blühen und dann sterben. Ein Jahrhundert lang kann dieAloe in unseren Glashäusern leben, immer die letzte Handlung der Blumen-liebe hinausschiebend, bis diese endlich unter der Gunst allseitig getroffenerorganischer Vorbereitungen eintreten soll. Dann springt plötzlich ein zwanzigFuß hoher Schaft zwischen der Blätterkrone hervor, mit zahllosen Blütenbedeckt, er blüht, reift nach einigen Monaten seine Früchte und Samen aus,
worauf das ganze gigantische Gewächs dem Tode anheimfällt.--------
Auch die Pflanze hat eine Wirksamkeit, die über die Gegenwart hinausreicht.Sie verfolgt ein fernes Ziel, und zwar nicht nur leidend, automatisch, wieetwa die Bewegungen des aufgezogenen Uhrwerkes ihrem Ende zugeführtwerden, sondern sie strebt demselben selbsttätig mit einer gewissen Freiheitin der Wahl ihrer Mittel, mit einem beharrlichen, gleichsam überlegten Eiferentgegen. Sie sucht sich selbst zu erhalten, sie setzt sich der Außenweltgegenüber, sie bekämpft und besiegt das außer ihr liegende Materielle, umes sich anzueignen. Sie wächst und vermehrt sich durch diese Aneignung,welche sie nicht blindlings, sondern mit einer gewissen Auswahl und Sorgfaltvornimmt und ausführt. Sie vermittelt endlich in diesem beständigen, sichimmer erneuernden Konflikte nicht nur die materielle Vergrößerung ihresLeibes, sondern sie sorgt für etwas, das noch nicht existiert, für ein ihr Gleiches,das erst kommen soll, für eine Nachkommenschaft. Sie bereitet dieses letzteErzeugnis ihrer vielseitigen, lebendigen Tätigkeiten mit großer Selbständigkeit,Konsequenz und Zweckmäßigkeit vor, bildet es unter großer Vollkommenheitder Verrichtungen aus und knüpft so, mit einer stillen, geheimnisvollen Vor-sicht, die Gegenwart an eine ferne Zukunft. (Karl Fr. Ph. v. Martius, Redenund Vorträge aus dem Gebiete der Naturforschung, 1838.)
VERWANDLUNG DER PFLANZE ZU BLÜTE UND FRUCHT
Die verkürzten Gefäßbündel können sich nun nicht mehr ausbreiten, sicheinander nicht mehr aufsuchen und durch Anastomose kein Netz mehr bil-den, die Schlauchgefäße, welche sonst die Zwischenräume des Netzes aus-füllen, können sich nicht mehr entwickeln, alle Ursachen, wodurch Stengel-,Kelch- und Blumenblätter sich in die Breite ausgedehnt haben, fallen hiervöllig weg, und es entsteht ein schwacher, höchst einfacher Faden.Kaum daß noch die feinen Häutchen der Staubbeutel gebildet werden, zwischenwelchen sich die höchst zarten Gefäße nunmehr endigen. Wenn wir nunannehmen, daß hier eben jene Gefäße, welche sich sonst verlängerten, aus-breiteten und sich einander wieder aufsuchten, gegenwärtig in einem höchstzusammengezogenen Zustande sind, wenn wir aus ihnen nunmehr den höchstausgebildeten Samenstaub hervordringen sehen, welcher das durch seineTätigkeit ersetzt, was den Gefäßen, die ihn hervorbringen, an Ausbreitungentzogen ist, wenn er nunmehr losgelöst die weiblichen Teile aufsucht, welche
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