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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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seine Äste umher und glaubt zum Himmel zu wachsen. So lockt dieNaturihn ins Leben hinein, bis er sich mit raschen Kräften, mit unermüdeter Tätig-keit alle die Fertigkeiten erwarb, die sie auf dem Felde oder Gartenbeet, aufden sie ihn gesetzt hat, diesmal an ihm ausbilden wollte. Nachdem er ihreZwecke erreicht hat, verläßt sie ihn allmählich. In der Blütenzeit des Früh-lings und unserer Jugend, mit welchen Reichtümern ist allenthalben dieNatur beladen! man glaubt, sie wolle mit dieser Blumenwelt eine neue Schöp-fung besamen. Einige Monate nachher, wie ist alles so anders! Die meistenBlüten sind abgefallen, wenige dürre Früchte gedeihen. Mit Mühe und Arbeitdes Baumes reifen sie, und sogleich gehen die Blätter ans Verwelken. DerBaum schüttet sein mattes Haar den geliebten Kindern, die ihn verlassenhaben, nach: entblättert steht er da, der Sturm raubt ihm seine dürren Äste,bis er endlich ganz zu Boden sinkt und sich das wenige Brennbare in ihm zurSeele der Natur auflöst. Ists mit dem Menschen, als Pflanze betrachtet,anders? Welche Unermeßlichkeit von Hoffnungen, Aussichten, Wirkungs-trieben füllt dunkel oder lebhaft seine jugendliche Seele 1 Alles trauet er sichzu, und eben weil ers sich zutraut, gelingts ihm: denn das Glück ist die Brautder Jugend. Wenige Jahre weiter, und es verändert sich alles um ihn, nurweil er sich verändert. Das wenigste hat er ausgerichtet, was er ausrichtenwollte, und glücklich, wenn er es nicht mehr und jetzt zu unrechter Zeit aus-richten will, sondern sich friedlich selbst verlebet. Im Auge eines höhernWesens mögen unsere Wirkungen auf der Erde so wichtig, wenigstens gewißso bestimmt und umschrieben sein, als die Taten und Unternehmungen einesBaumes. Er entwickelt, was er entwickeln kann, und macht sich, dessen erhabhaft werden kann, Meister. Er treibt Sprossen und Keime, gebiert Früchteund sät junge Bäume, niemals aber kommt er von der Stelle, auf die ihn dieNatur gestellt hat, und er kann sich keine einzige der Kräfte, die nicht in ihngelegt sind, nehmen.

Insonderheit, dünkt mich, demütigt es den Menschen, daß er mit den süßenTrieben, die er Liebe nennt, und in die er so viel Willkür setzt, beinah ebensoblind wie die Pflanze den Gesetzen der Natur dient. Auch die Distel, sagtman, ist schön, wenn sie blüht, und die Blüte, wissen wir, ist bei den Pflanzendie Zeit der Liebe. Der Kelch ist das Bett, die Krone sein Vorhang, die anderenTeile der Blume sind Werkzeuge der Fortpflanzung, die die Natur bei diesenunschuldigen Geschöpfen offen darlegt und mit aller Pracht geschmückt hat.Den Blumenkelch der Liebe machte sie zu einem Salomonischen Brautbett,zu einem Kelch der Anmut auch für andere Geschöpfe. Warum tat sie diesalles? und knüpfte auch bei Menschen ins Band der Liebe die schönsten Reize,die sich in ihrem Gürtel der Schönheit fanden? Ihr großer Zweck sollteerreicht werden, nicht der kleine Zweck des sinnlichen Geschöpfes allein, dassie so schön ausschmückte: dieser Zweck ist Fortpflanzung, Erhaltung derGeschlechter. Die Natur braucht Keime, sie braucht unendlich viel Keime,weil sie nach ihrem großen Gange tausend Zwecke auf einmal befördert.Sie mußte also auch auf Verlust rechnen, weil alles zusammengedrängt ist,und nichts eine Stelle findet, sich ganz auszuwickeln. Aber damit ihr beidieser scheinbaren Verschwendung dennoch das Wesentliche und die erste

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