Land verhängt würde. Es war im April 1823, als dieser gewaltige Orkanlosbrach, gerade zu einer Zeit, wo der Mentor, das erste preußische Schiff,welches die Erde umsegelte, im Hafen von Valparaiso lag. Da der Handelzu jener Zeit blühete, so war die Bai mit Schiffen gefüllt, auch ein Teil dersiegreich zurückgekehrten und von ihrem Admiral verlassenen chilenischenFlotte lag darin. Beinahe vier Tage währte dieser Sturm, der sich fast überdas ganze Land verbreitet hatte. Er war in den letzten Tagen mit Regenbegleitet, der die Luft so undurchsichtig machte, daß man bei Tage nichteinmal die Wege erkennen konnte. An der Cuesta del Prado, in der Nähevon Santiago, über welche die Chaussee von Valparaiso nach der Hauptstadtführt, war das Unwetter noch so stark, daß ein Kurier, der nach Santiagobestimmt war und den Berg zu Pferde überstieg, zweimal wieder am west-lichen Abhänge herunterkam, glaubend, ihn überstiegen zu haben und nachder Llanura Mapacho zu gelangen. Als er zum zweiten Male in dem Post-hause auf der westlichen Seite eintraf, von wo aus er abgegangen, waren dieersten Worte, die er den Leuten zurief, daß er sich doch diesmal nicht verirrthaben werde, und es war dennoch der Fall. Ein junger Kaufmann, denWechselprozesse während dieser Schreckenszeit von Valparaiso nach Santiagoführten, brachte vier Tage auf dieser Reise zu Pferde zu. Über alle Maßenfurchtbar ging es aber im Hafen zu. Die Anker hielten nicht, oder die Tauebrachen, und die Schiffe trieben ohne Rettung auf die Küste, wo sie gänzlichzerschellten. Die Nordamerikaner begannen zuerst zu treiben und zogendadurch viele andere Schiffe ins Verderben, woran allein ihre Sparsamkeitschuld hatte, da sie, wie gewöhnlich, nur einen Anker mit sich führten. Inder finstern Nacht sah man von allen Seiten Notsignale, hier wurden Kanonengelöst und dort große Feuer angezündet, doch vergebens, es war nicht mög-lich, von irgendeiner Seite Hilfe zu leisten. 21 Schiffe gerieten während diesesSturmes auf die Klippen und zerschellten gänzlich. Der Mentor lag fest aneiner gewaltigen Kette, der allein die Bewohner desselben ihr Leben zu ver-danken hatten, von einem Amerikaner, der dicht an ihm vorübertrieb, rettetesich die Mannschaft an Bord des Mentors, indem ihr Taue zugeworfen wurden,an denen sie sich in die See stürzte und hinüberschwamm. Von den übrigenSchiffen, die ihren Untergang vor Augen sahen, soll mancher kühne Schwim-mer seine Rettung vergeblich versucht haben. (F. J. F. Meyen, Reise umdie Erde, 1834/1835O
AUSBRUCH DES VESUV
Bericht eines ungenannten Engländers über den Ausbruch dieses Vulkansim Julius 1794:
Der Verfasser empfand bei seinem Aufenthalte in Neapel, am 12. Juli desgenannten Jahres um Mitternacht in seinem Bette einen starken Stoß einesErdbebens, der sich nach einigen Minuten mit einer schwankenden Bewegungin der Richtung von Osten nach Westen erneuerte. Gegen 4 Uhr des Morgenswurde er durch eine noch heftigere Erschütterung aufgeweckt. Er trat ansFenster, erblickte ein dickes Gewölke, und der Dunstkreis schien nach Nord-osten mit einem brennbaren, zum Ausbruche reifen Stoffe geschwängert zu
92