wohl weder mit dem einen noch mit dem andern zu einem befriedigenden Zielezu gelangen. (Wyss, Reise ins Berner Oberland, 1817.)
Zur Zeit, wenn die Gebirge mit Schnee bedeckt sind, trennt sich oft eineSchneescholle vom Rande derselben, sie wird über die Schneeberge herab-getrieben und vergrößert immer mehr den Umfang und das Gewicht, je tiefersie hinabsinkt. Alles, was ihr im Wege ist, wird durch ihre Stoßkraft mit-geschleudert. So wie ein kleiner Funken allmählich ein heftiges Feuer hervor-bringen kann, das die ganze Habe des Landmannes einäschert, so vermagauch oft ein solcher Schneeball sich endlich so sehr zu vergrößern, daß ervom Hochgebirge Stufe zu Stufe bis ins Tal herabfällt, daß er große Bäumeentwurzelt, Scheuern umwirft und alles, was seinem Laufe im Wege ist,niederschlägt und mit Schutt überdeckt. Eine starke Erschütterung der Luft,ein reißender Wind von einigen Minuten kann oft die erste Veranlassung zudieser schaudervollen Begebenheit werden. Darum wendet man in solchenGebirgsländern so viele Behutsamkeit an, daß man selbst auf der Straße nichtlaut zu schreien wagt, ja, sogar die Glocken der Saumrosse verstopft, nur umdie Luft nicht zu erschüttern, denn ein kleiner Vogel, der unvorsichtig sichauf dem Schnee lagert, ist oft imstande, der Schneemasse die erste Bewegungzu geben und bedeutende Unfälle vorzubereiten. Reisende, welche mit Ge-wehren versehen sind, pflegen bei solchen der Fahrstraße nahe liegendengefährlichen Gegenden gewöhnlich eine Pistole abzufeuern und erst dann,wenn durch dieselbe keine schädliche Erschütterung des Schnees bewirktward, nicht ohne alle Besorgnis ihre Wege fortzusetzen.Die sogenannten Schlaglawinen zeichnen sich durch eine noch ungleichgeschwindere und deshalb auch noch gefährlichere Lostrennung großer über-hängender Eismassen und durch eine schnelle Ablösung der Ränder einerSchneebank aus, welche öfters so laut wie Kanonendonner ihre Berstung zuerkennen gibt. Diese Masse stürzt gleichsam in einem Bogen mit einem Malehinab, und kleine Hügel, ja, selbst hervorragende Felsen sind nicht sicher,von ihrer Wut nicht zerstört zu werden. Solche Unglücksfälle weiß manviele, besonders in der Steiermark und in Kärnten. So zum Beispiel wurdenin der Steiermark zur Osterzeit im Jahre 1793 drei Knappen, als sie von ihrerArbeit aus dem Erzberge nach Vordernberg zurückgehen wollten, durch eineSchneelehne, welche von dem kahlen Gipfel des Reichensteins über eine meh-rere hundert Schritte lange und breite Wiese herabrollte, auf den sogenanntenErzweg hinuntergeworfen und unter den aufgeworfenen Schneehügeln be-graben. Einen der Unglücklichen, welchen die Gewalt der Lehne noch weiterals seine Gefährten geschleudert hatte, fand man erst nach einigen Wochen,als der Schnee zerfloß.
In Kärnten sind ähnliche Unfälle, zumal im Villacher Kreise, gleichfallsnicht selten. Das Mölltal unterlag schon öfter diesem Übel. Die Tage desFrühlings, die uns in warmen Ländern so viele Freude machen, sind denBewohnern des Mölltales beinahe fürchterlicher, als jene des Winters. Indesum Wien die Landleute so gern ihrer Flur in der letzten Woche des Aprils,
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