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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Tod, das unendliche Schweigen in dieser Behausung des nie entschwindendenWinters einheimisch zu erkennen. Ein Schauer durchbebt dich, du sehnstdich nach einer Spur von Leben, du kommst dir vor als einsam vor den Trüm-mern des Erdballs, der Grashalm vor deinen Füßen ist Erquickung für dasAuge, welches erschöpft von den starren Frostgebilden niedersinkt. Daschreckt urplötzlich ein Donnerschlag dein Ohr, und während du rasch genHimmel blickst, während du verwundert kein Wölklein droben gewahrst,rollet schon der Nachhall des Donners an dein Ohr und kaum weißt du, wodie Blicke noch ferner spähen sollen, als dort auf einer Schneebank der Jung-frau sich ein stäubendes Gewölk verrät und du mit seltsamer Überraschungeinen Vulkan in der Eiswüste zu entdecken glaubst. Jetzt bemerkst du zu-gleich, wo vor Augenblicken alles unbeweglich war, einen breiten Silberstreifen,der gleich dem Schaumguß eines Wasserfalles über dem Gestäube niederplatzt.Kaum vermagst du dich zu bescheiden, was hier vorgegangen. Erst nochwar am ganzen unermeßlichen Gebirgshang ein lebloses Erstarren, und nunscheinen Gewässer zu sprudeln, die doch gewiß nicht zu übersehen gewesen,wenn sie von Anfange sich ergossen hätten. Inzwischen fährt der krachendeDonner fort, und jene stürzenden Silberstreifen sind dem Anscheine nachviel zu flüssig, viel zu gering und zu fern, um an diesem Getöse schuld zuhaben. Auf einmal, in Mitte deines zweifelhaften Spähens, siehst du den ver-meinten Strom ein Ende nehmen, und alsobald bricht das grollende Donnernab, du errätst mit Verwunderung, daß Schaumsturz und Donnerhall vereinigtwaren, du siehst die Staubwolke am Berghange verschwinden, der weißereSchnee auf einem grauern Schneefelde niederwärts gibt endlich dir Aufschluß,du beklagst dich, das alles nicht besser durchschaut zu haben, und plötzlicheine Stufe weiter zu Tale scheint aus einer Felsenspalte sich ein Spring quellzu öffnen, der bewegte Schnee beginnt von neuem zu platzen, das Krachenerhebt sich abermal, durch ein Fernglas unterscheidest du Eisstücke in demanscheinenden Flockenstaube, und endlich erst wagt es dein Geist, was ihmein Bächlein an einer Klippe geschienen, für einen Lawinensturz zu halten,der unermeßliche Schneelasten hinabreißt und in dieser klüftigen Umgebungden Hall eines zwanzigfältigen Geschützes von sich gibt.So und nicht anders sah ich und empfand ich und bewunderte ich zum erstenMale einst dieses einzige Schauspiel unserer Eisgebirge. Kein Sturmwind,kein Regenguß löste die fürchterlichen Massen ab. Sie fielen wie durchinnere Regung und fielen minutenlang, aber sie verminderten nichts an denunendlichen Schneelagen, von denen sie herbrachen, sie vermehrten auchnichts, sie färbten nur heiterer auf den niedrigem Eisbänken, wo sie hin-krachten. Ja, sie verloren sich oft sekundenlang in schwarze Felsenschlüchteund schössen wieder hervor aus ihnen, wie aus Wasserrinnen, ohne doch bisan die sichtbare Öffnung der Spalten hinauf sie gefüllt zu haben. Nicht alsoin der Anschauung zwar, aber in der Schlußreihe, zu welcher sie zwangen,vermehrten sie bis zum Ungeheuern die Vorstellung von den Riesenverhält-nissen des Berges und hielten gerade dadurch den Geist um so gefesselter,weil man endlich doch entweder eine Täuschung wahrzunehmen oder dasGesamte der Erscheinung genügender zu umfassen vermeinte, ohne gleich-

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