Es legten die Ägypter auf diese Periode einen großen Wert, nannten sie dasgroße Jahr und begrüßten die Erscheinung desselben als ein wichtiges Er-eignis, weil dann der Phönix, ein fabelhafter, unsterblicher Vogel, sich einenScheiterhaufen von Gewürzen zusammentragen, sich darauf legen, das Ge-würz durch die Sonnenstrahlen, nach anderen durch das Feuer seines Blickes,entzünden und sich aus seiner eigenen Asche neu verjüngt wieder auf-schwingen sollte.
Der Anfang des großen Jahres fiel auf den Tag, wo der Hundsstern am Neu-jahrstage in der Morgendämmerung erschien. Der Hundsstern, welchen wirSirius nennen, heißt im ägyptischen Altertum Sothis, daher diese Periodedie Sothische oder die Hundssternperiode genannt wird. Das Jahr von365 Tagen hieß nach dem babylonischen Könige das Nabonassarische Jahr.Die Römer hatten dieses Jahr gleichfalls angenommen, es hatte jedochschon zu Cäsars Zeiten eine große Verwirrung in das bürgerliche Leben,in die Geschäfte des Ackerbaues, welche sich nach den Jahreszeiten richten,gebracht, und Cäsar, so groß als Staatsmann wie als Feldherr, fühlte die Not-wendigkeit, eine Ordnung in diese Angelegenheit zu bringen. Nach demRate des Astronomen Sosigenes nahm man den Kalender der Indier, undzwar 45 Jahre vor Christi Geburt, an und schaltete so alle 4 Jahre einen Tagein. Dies war der zweimal sechste Tag (bis sextus) vor den Kaienden desMärz, daher hieß dieses Jahr annus bissextus, wie wir es Schaltjahr nennen,von dem Worte einschalten.
Die Rechnung der Indier, wenn schon viel genauer, als die der Ägypter,nahm an, daß [gerade 365 und | Tag auf das Jahr gingen. Dies ist jedochum ein Hundertteil eines Tages, also etwa um eine Viertelstunde, zu groß,und darum sind in hundert Jahren diese Bruchteile zu einem ganzen Tagegewachsen, und der Kalender ist wieder nicht richtig.
Weil indessen die Periode eine sehr lange war, so merkte man die steigendeUnrichtigkeit nicht so bald, wenigstens wurde sie im bürgerlichen Lebenniemals beschwerlich. Die Astronomen indessen fanden, daß nach und nachder Frühlingspunkt — die Tag- und Nachtgleiche — vom 21. März bis aufden 11. zurückgewichen war, da schlug der Astronom Alosius Lilius demPapste Gregor XIII. vor, 10 Tage aus dem Kalender fortzulassen, um dieNachtgleiche wieder auf den richtigen Punkt zu bringen, dann aber bei derbisherigen Weise zu bleiben (auf das Jahr 365* Tag zu zählen und diese4 Viertel nach Ablauf von 4 Jahren einzuschalten), aber alle 100 Jahre deneinen Schalttag auszulassen, durch welchen die Verwirrung entstanden war,die sich in 4 Jahrhunderten zu 3 Tagen häufte. So wurde es im Jahre 1582ausgeführt: vom 4. Oktober dieses Jahres zählte man sogleich den 15., diegewöhnlichen und die Schaltjahre folgten in der gewohnten Art, nur 1700 und1800 waren nicht Schaltjahre, sondern Gemeinjahre, nunmehr wird 1900gleichfalls ein Gemeinjahr sein, dagegen das Jahr 2000 wieder ein Schaltjahr.Dieser Kalender heißt der Gregorianische oder der neue, der von Cäsar ein-geführte heißt der Julianische oder der alte. Gegenwärtig rechnen nach diesemnur noch die Russen. (W. F. A. Zimmermann, Der Erdball und seine Natur-wunder, 1855.)
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