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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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desselben eine gerade Linie zieht, so trifft diese, über den Bär hinaus ver-längert, den Polarstern.

Setzt man die vergleichenden Beobachtungen fort, so wird die etwas übereiltgefaßte Meinung, es drehen sich die Sterne in derselben Zeit um die Erdewie die Sonne, widerlegt. Wenn bei Beginn der Beobachtungen der Sonnen-untergang mit der höchsten Stellung des Großen Bären zusammentraf, sowird sehr bald der Bär diese Stellung überschritten haben, er wird um einZwölfteil, um ein Vierteil, um die Hälfte des Kreises abweichen, wird beimSonnenuntergänge die niedrigste Stelle einnehmen, die er erreichen kann,und wird dann auf der anderen Seite des Kreises wieder hinaufsteigen, undbefindet er sich endlich zur Zeit des Sonnenunterganges gerade da obenim Zenit, wo er war, als man die Beobachtung begann, so wird man dieganze Summe der Unterschiede für einen großen Zeitraum, den wir Jahrnennen, haben, nämlich die Sonne wird dem Beobachter 36smal unter-gegangen sein, der Große Bär wird aber 366mal die höchste Höhe erreichthaben: man hat einen Sternentag mehr, als man Sonnentage hat.Das gibt einen sehr schönen Zeitabschnitt. In diesem Abschnitt durchläuftdie Oberfläche der Erde alle die Wechsel, welche sie durch den höheren oderniederen Stand der Sonne erfährt, es macht sich eine kalte, eine milde, eineheiße, und wieder eine milde Zeit bemerkbar, den großen Abschnitt nannteman Jahr, die vier kleineren Jahreszeiten.

Der Mond mit seinen wechselnden Gestalten gibt kleinere Teile in diesemgroßen Kreislauf. Er wird uns in demselben 13 Vollmonde zeigen, aber auchebensoviele erste und letzte Viertel, und ebensooft wird er uns in den Strahlender Sonne verschwinden.

Da haben wir dreizehn Mondjahre oder Mondmonate, die man wahrschein-lich der zwölf Sternbilder des Tierkreises wegen auf zwölf gebracht hat,da haben wir auch 52 Viertelmonde zu sieben Tagen, was wir Wochen nennen.Begreiflich ist, daß dann, wenn die Sternkunde von dem Rinder- oder Kamel-hüter auf den Astronomen übergeht, die Beobachtungen alle mit mehr Schärfegemacht werden. Anfangs blieb alles beim Alten, wie zum Beispiel bei denÄgyptern, das Jahr bestand aus 365 Tagen, da dies jedoch nicht genau war(beinahe um £ Tag zu kurz), so trat nach vier Jahren das neue Jahr umeinen Tag zu früh ein, nach 365 Jahren betrug das schon ein Vierteljahr,und das Jahr, welches vielleicht mit der Sommersonnenwende angefangenhatte, rückte zum Frühjahr zurück, und es war Neujahr zur Zeit der Frühlings-nachtgleiche, in 730 Jahren zur Zeit der Wintersonnenwende.Daß dieses für das bürgerliche Leben viel Unbequemlichkeiten hatte, ist leichteinzusehen. Die Indier fanden diesen sonst sehr natürlichen und leicht zumachenden Fehler durch schärfere Beobachtung und Rechnung auch baldheraus und setzten das Jahr auf 365 und ein Viertel Tag.Da die Ägypter diese Einschaltung nicht vornahmen, so wich ihr Jahr in deroben beschriebenen Weise von dem Jahre der Inder ab und traf nach 1460Jahren erst wieder damit zusammen. Da indessen die Vierteltage sich zuMonden und endlich zu einem Jahre summiert, so hatten die Ägypter ein ganzesJahr mehr, nämlich 1461.

Wolters, Der Deutsche. V, 1.

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