Vögel und die sich öffnenden Blüten der Wasserpflanzen. Pferde und Rinderweiden nun in frohem Genüsse des Lebens. Das hoch aufschießende Grasbirgt den schöngefleckten Jaguar. Im sicheren Versteck auflauernd und dieWeite des einigen Sprunges vorsichtig messend, erhascht er die vorüber-ziehenden Tiere, katzenartig wie der asiatische Tiger.
Bisweilen sieht man, so erzählen die Eingeborenen, an den Ufern der Sümpfeden befeuchteten Letten sich langsam und schollenweise erheben. Mit hef-tigem Getöse, wie beim Ausbruche kleiner Schlammvulkane, wird die auf-gewühlte Erde hoch in die Luft geschleudert. Wer des Anblicks kundig ist,flieht die Erscheinung, denn eine riesenhafte Wasserschlange oder ein ge-panzertes Krokodil steigen aus der Gruft hervor, durch den ersten Regengußaus dem Scheintode erweckt.
Schwellen nun allmählich die Flüsse, welche die Ebene südlich begrenzen:der Arauca, der Apure und der Payara, so zwingt die Natur dieselben Tiere,welche in der ersten Jahreshälfte auf dem wasserleeren, staubigen Bodenvor Durst verschmachteten, als Amphibien zu leben. Ein Teil der Steppeerscheint nun wie ein unermeßliches Binnenwasser. Die Mutterpferde ziehensich mit den Füllen auf die höheren Bänke zurück, welche inselförmig überdem Seespiegel hervorragen. Mit jedem Tage verengt sich der trockeneRaum. Aus Mangel an Weide schwimmen die zusammengedrängten Tierestundenlang umher und nähren sich kärglich von der blühenden Grasrispe,die sich über dem braungefärbten gährenden Wasser erhebt. Viele Füllenertrinken, viele werden von den Krokodilen erhascht, mit dem zackigenSchwänze zerschmettert und verschlungen. Nicht selten bemerkt man Pferdeund Rinder, welche, dem Rachen dieser blutgierigen, riesenhaften Eidechsenentschlüpft, die Spur des spitzigen Zahnes am Schenkel tragen.Ein solcher Anblick erinnert unwillkürlich den ernsten Beobachter an dieBiegsamkeit, mit welcher die alles aneignende Natur gewisse Tiere undPflanzen begabt hat. Wie die mehlreichen Früchte der Ceres, so sind Stierund Roß dem Menschen über den ganzen Erdkreis gefolgt: vom Ganges bisan den Piatastrom, von der afrikanischen Meeresküste bis zur Gebirgsebenedes Antisana, welche höher als der Kegelberg von Teneriffa liegt. Hier schütztdie nordische Birke, dort die Dattelpalme den ermüdeten Stier vor dem Strahlder Mittagssonne. Dieselbe Tiergattung, welche im östlichen Europa mitBären und Wölfen kämpft, wird unter einem anderen Himmelsstriche vonden Angriffen der Tiger und der Krokodile bedroht 1
Aber nicht die Krokodile und der Jaguar allein stellen den südamerikanischenPferden nach, auch unter den Fischen haben sie einen gefährlichen Feind.Die Sumpfwasser von Bera und Rastro sind mit zahllosen elektrischen Aalengefüllt, deren schleimiger, gelbgefleckter Körper aus jedem Teile die er-schütternde Kraft nach Willkür aussendet. Diese Gymnoten haben 5 bis6 Fuß Länge. Sie sind mächtig genug, die größten Tiere zu töten, wenn sieihre nervenreichen Organe auf einmal in günstiger Richtung entladen. DieSteppenstraße von Uritucu mußte einst verändert werden, weil sich dieGymnoten in solcher Menge in einem Flüßchen angehäuft hatten, daß jähr-lich vor Betäubung viele Pferde in der Furt ertranken. Auch fliehen alle
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