artig verschleierten Dunstkreise schwebt, vermehrt die erstickende Luft-wärme. Statt Kühlung führt der Ostwind neue Glut herbei, wenn er über denlangerhitzten Boden hinweht.
Auch verschwinden allmählich die Lachen, welche die gelb gebleichte Fächer-palme vor der Verdunstung schützte. Wie im eisigen Norden die Tiere durchKälte erstarren, so schlummert hier unbeweglich das Krokodil und die Boa-schlange, tief vergraben in trockenem Letten. Überall verkündigt Dürreden Tod, und doch überall verfolgt den Dürstenden, im Spiele des gebogenenLichtstrahls, das Trugbild des wellenschlagenden Wasserspiegels. Ein schmalerLuftstreifen trennt das ferne Palmengebüsch vom Boden. Es schwebt, durchKiemung gehoben, bei der Berührung ungleich erwärmter und also ungleichdichter Luftschichten. In finstere Staubwolken gehüllt, von Hunger undbrennendem Durste geängstigt, schweifen Pferde und Rinder umher: diesedumpf aufbrüllend, jene mit langgestrecktem Halse gegen den Wind an-schnaubend, um durch die Feuchtigkeit des Luftstroms die Nähe einer nichtganz verdampften Lache zu erraten.
Bedächtiger und verschlagener, sucht das Maultier auf andere Weise seinenDurst zu lindern. Eine kugelförmige und dabei vielrippige Pflanze, derMelonenkaktus, verschließt unter seiner stacheligen Hülle ein wasserreichesMark. Mit dem Vorderfuße schlägt das Maultier die Stacheln seitwärts undwagt es dann erst, die Lippen behutsam zu nähern und den kühlen Distel-saft zu trinken. Aber das Schöpfen aus dieser lebendigen vegetabilischenQuelle ist nicht immer gefahrlos, oft sieht man Tiere, welche von Kaktus-stacheln am Hufe gelähmt sind.
Folgt auf die brennende Hitze des Tages die Kühlung der hier immer gleichlangen Nacht, so können Rinder und Pferde selbst dann nicht sich der Ruheerfreuen. Ungeheure Fledermäuse saugen ihnen während des Schlafesvampyrartig das Blut aus oder hängen sich an dem Rücken fest, wo sieeiternde Wunden erregen, in welche Mosquitos, Hippoboscen und eine Scharstechender Insekten sich ansiedeln. So führen die Tiere ein schmerzenvollesLeben, wenn vor der Glut der Sonne das Wasser auf dem Erdboden ver^schwindet.
Tritt endlich nach langer Dürre die wohltätige Regenzeit ein, so verändertsich plötzlich die Szene in der Steppe. Das tiefe Blau des bis dahin nie be-wölkten Himmels wird lichter. Kaum erkennt man bei Nacht den schwarzenRaum im Sternbild des südlichen Kreuzes. Der sanfte phosphorartige Schim-mer der Magellanischen Wolken verlischt. Selbst die scheitelrechten Ge-stirne des Adlers und des Schlangenträgers leuchten mit zitterndem, minderplanetarischem Lichte. Wie ein entlegenes Gebirge erscheint einzelnes Ge-wölk im Süden, senkrecht aufsteigend am Horizonte. Nebelartig breitenallmählich die vermehrten Dünste sich über den Zenit aus. Den belebendenRegen verkündigt der ferne Donner.
Kaum ist die Oberfläche der Erde benetzt, so überzieht sich die duftendeSteppe mitKyllingien, mit vielrispigem Paspalum und mannigfaltigen Gräsern.Vom Lichte gereizt, entfalten krautartige Mimosen ihre gesenkt schlum-mernden Blätter und begrüßen die aufgehende Sonne, wie der Frühgesang der
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