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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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die langen Kolben des Fuchsschwanzes und auf feuchten moorigen Wiesendas seidenschopfige Wollgras, hohe Binsen, braunblütige Seggen tragen sämt-lich nicht wenig dazu bei, das Bild der Wiese wechselvoll und anmutig zumachen.

Mild und duftig liegt die Wiese da, umgeben von Getreidefeldern und Obst-gärten, durchströmt von einem Bache, der ihr Feuchtigkeit verleiht undan dessen Rändern düstere Rüstern die verkrümmten Äste ausbreiten undabgeköpfte Weiden, auf deren Scheitel sich oft die Flora der ganzen Umgebungangesammelt, die langen Rutenzweige emporstrecken ein wahres Kleinodder Vegetation.

Die Ernte ist vorüber, das Heu in den Scheunen oder in großen Schobernaufgestellt. Zum letzten Male hat sich unser Landschaftsbild wieder voll-kommen verwandelt. Auf den abgemähten Getreidefeldern und Wiesen istbereits wieder eine neue Vegetation erschienen. Die kahlen Stoppelfeldersind grün durchzogen mit Ackerunkräutern, teils neu entstanden, teils vonder Sense verschont geblieben, da haben sich die verschiedenen Kleearten,die Hundskamille und Kreuzkräuter, Gauchheil, die Ackerranunkel, dasAckerstiefmütterchen und andere in Tausenden von Exemplaren angesiedeltund verbreitet. Die Obstbäume brechen fast unter der Last der goldigen undrot angehauchten Früchte, die überall unter dem grünen und gelblichenLaube hervorblicken. Auch das Laub der Waldbäume hat bereits seinen gelbenherbstlichen Schimmer angenommen. Aber auch die Wiesen haben nichtgezögert, für das genommene Kleid schnell ein neues anzulegen, zwar nichtmehr so bunt wie früher, aber doch nicht weniger lieblich. (Wilhelm Kabsch,Das Pflanzenleben der Erde, 1865.)

SOMMER DER CAMPAGNA

Die Natur sinkt mit dem Monat Julius in den Zustand der Todesruhe. DieErdoberfläche zeigt nur verdorrte Pflanzenstengel, verbrannten Rasen undgelbe Stoppeln. Verschwunden ist das Leben aus Flur und Haus. In langenZügen ziehen die Herden trägen Schrittes den östlichen Bergen zu, vorandie Hirten auf unansehnlichen behenden Pferden, im Nachtrab einige Eselund Mäuler, beladen mit dem notwendigsten Kochgeschirr, alles umschwärmtvon den zottigen gelblichweißen Hunden, die ihrer Pflicht nie fehlen. Aufden Pachthöfen, wo vor kurzem noch so viele Menschen geschäftig sichdrängten, wird es stille, ganze Ortschaften stehen verlassen da, nur wenigeAufseher trotzen inmitten der Fieberluft den Gefahren des Sommers. DreiMonate liegt das Land in diesem Todesschlafe. Nicht die Höhe der Hitze,sondern die ununterbrochene Dauer derselben während eines viermonatlichenZeitraums ist es, welche den Sommer zu dem lästigsten und gefährlichstenTeile des Jahres macht. Der Monat August entsiegelt die meisten Testamente.Dies Lob spendet ihm schon Horatius. Der Wärmemesser erhält sich fort-während auf der Höhe von 28 bis 30 Graden Reaumur. Wie die Sonne heutesinkt, so steht sie am Morgen wieder auf. Die kurze Nacht bringt keineKühlung. Regen fällt nur in Begleit vorübergehender Gewitter. Oft durch-

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