wir uns, so finden wir unter dem grünen Graswald ein zweites Blumenlebender verschiedenen Ackerkräuter, die mit ihren meist schönen und buntenFarben so lockend aus dem hellen Grün hervorblicken — da sind die blauenKornblumen, die purpurne Kornlichtnelke, der Rittersporn mit der blauen,langgespornten, hängenden Blumenkrone, der zierliche, feuerrote Acker-gauchheil, die verschiedenen Ehrenpreisarten mit kaum sichtbaren blauenBlümchen, der feuerrote Klatschmohn und Ackermohn. Kein unbestelltesFeld ist mehr zu sehen, überall haben sich abwechselnd Kräuter und Gräserentwickelt: — neben dem zarten, blau blühenden Lein die kräftige Rübe,rote und weiße Kleefelder neben rauhblättrigen Kartoffeln, blaublütigerLuzerne und rosenroter Esparsette.
Doch das Getreide eilt der Reife zu, mehr als sechs Fuß sind die Halme empor-gestiegen und tragen nun die nickenden Ähren. Der Farbenwechsel zwischenden grünen Kräutern mit den verschiedenfarbigen Blüten und den hohen,bereits gelben Halmen der Getreidefelder, zwischen denen vermittelnd derniedrigere, rispige Hafer auftritt, ist noch hervorstechender geworden. —Die Wiese steht in ihrer vollsten Pracht. Wer vermag es zu malen, dasvielfarbige, vielgestaltige Pflanzenleben? — Das Ansehen der Wiese hatsich ganz geändert. Aus der großen Masse von Gräsern und Kräuternragen nun auch höhere Pflanzen, die zu den Stauden gezählt werden müssen,hervor, meist in massenhafter Entwicklung, so besonders eine Anzahl Dolden-blütler, wie das Heilkraut, die Engelwurz, Klettenkörbel und vielleicht auchder Kälberkropf, auch einige Disteln mit roten und mit gelblich weißenBlütenköpfen. Unter und zwischen diesen nun die buntfarbige Menge derBlumen aus allen Teilen des Pflanzenreichs. Die gelben Köpfe des Löwen-zahns sind verschwunden, und an ihre Stelle leichte zarte Federkugeln ge-treten, die vom Winde zerzaust, emporgehoben und nach allen Himmels-gegenden fortgetragen werden. Überall verbreitet sind die zartblauen Glocken-blumen, die großblütige weiße Hundskamille, die verschiedenen Hahnenfuß-arten, die gelben Habichtskräuter. Von diesen stechen sehr gut ab die rotenLichtnelken, der gelbe Klappertopf mit dem aufgeblasenen Kelch, der fleck-weise oft ganz allein den Charakter der Wiese bestimmt, dazwischen erhebensich die braunen Köpfe des Wiesenknopfs, die braunroten Glocken des Sieben-fingerkrauts, die blauen Skabiosen und der Teufelsabbiß. Etwas verstecktund vereinzelt finden sich wohl auch noch mehrere Knabenkrautarten mitihren purpurnen Blütenähren, die blauen Ehrenpreisarten, weißer und roterKlee, die rosenrote Kronwicke, die unscheinbaren grünlichen Blüten desFrauenmantels, zwischen denen sich die Wicken hindurchwinden und Platt-erbsen mit geflügelten Stengeln an den Stauden in die Höhe klimmen. Über-aus reich ist aber die Flora der Gräser, deren zarte Rispen überall den Raum,von den übrigen Pflanzen freigelassen, ausfüllen: die zierlichen, kleinen,braunen Ährchen des Zittergrases, vom geringsten Windhauch in zitterndeBewegung gesetzt, die wehenden Fahnen des Windhalmes, die luftigen Pyra-niidenrispen des Rispengrases und des Schwingels, die zusammengeballtenÄhren des Knäulgrases, die begrannten Trespen, das weiche Roßgras, dasRuchgras, dem das Heu hauptsächlich seinen eigentümlichen Duft verdankt,
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