Straße, bergen zahllose Zwiebeln von lilienartigen Gewächsen der verschieden-artigsten Gestaltung und Blüte. Amarylliden mit dreifarbiger Blumenkroneund mannshohem Schaft, kleine hyazinthenartige Glockenblumen, kraut-artige Calceolarien und eine Menge von schnellvergänglichen zarteren Pflan-zen entstehen wie durch Magie. An den Gärten und auf den freien Plätzender Dörfer duftet dann die blühende Orange und fast noch stärker die herr-liche Flor de aroma, sowohl die wilde als die kultivierte, welche die Zäuneumgeben. Zu Hunderttausenden erblüht die Flor de perdiz, eine kleine,einblumige Oxalis, von welcher in wenig Wochen sogar die Blätter wiederverschwunden sind, und unter den zartesten Gewächsen fallen die nieder-liegenden, feinblättrigen Dioscoreen auf als erste Verkündiger des Früh-lings. Die Landleute kommen dann oft nach der Stadt, die Hüte geschmücktmit den blühenden Ranken einer der zierlichsten Pflanzen des Landes, demscharlachroten Tropaeolum. An allen Felsen und dürren Orten erblüht zu-gleich die Immortelle Chiles, die Siempreviva, deren Blume durch himmel-blaue Färbung zwar schon bedeutsam ist, aber es noch mehr dadurchwird, daß sie ohne zu verwelken eintrocknet, und Jahre lang schon tot,doch das täuschende Ansehen frischen Lebens behält. Deshalb wählt sieder Landmann in den abgelegnem Gegenden des Südens zum stummen Dol-metscher in seinem Umgange mit den Frauen, denen der tiefe Sinn desGeschenkes nicht entgeht. Der Eingeborene der milderen Länder ist stetssinniger und zarter als der Bewohner kalter Gegenden; denn was bei demletzteren in dieser Beziehung nur Folge der höheren Ausbildung sein kann,das wird im ersteren schon durch den Einfluß einer freundlichen Natur hervor-gebracht. (Eduard Pöppig, Reise in Chile, Peru und auf dem Amazonen-strome, 1835/1836.)
WIESE UND ACKER IN DEN GEZEITEN
Dicht unter uns breitet sich eine Wiese aus, ein dichter, grüner Rasenteppich,von dem ersten, warmen Frühlingsregen hervorgelockt. Sehen wir genauerhin: da glänzen auf der grünen Matte eine Menge weißer Sterne, hin undwieder zeigen sich bereits die weißen Blüten einiger Kreuzblütler, wie dieDraba verna, das fiederblättrige Wiesenschaumkraut, ja, selbst einige Ranun-keln haben schon ihre gelben Blumenblätter entfaltet, und am schattigen Ab-hänge der Hügel, da entdecken wir wohl auch zarte Anemonen und die viel-besungene Primel. Doch unser Blick dringt weiter. Hinter der Wiese, dieso einladend den Kindern winkt, da dehnen sich, fast so weit das Auge reicht,zahllose Felder. Die Früh Jahrsarbeiten sind bereits getan, die Erde ist durch-graben und bestellt, in regelmäßigen Reihen, einem arithmetischen Exempelgleichend, liegen sie vor uns da mit ihren Furchen und Rainen, meilenweitvielleicht nur durchbrochen von einem Graben, dessen Ränder mit einigenkrüppelhaften Weiden, deren Blütenkätzchen an den langen Rutenzweigen»m Winde flattern, oder ein Paar hohlen, verkrümmten Ulmen besetzt sind.Fast fußhoch bedeckt schon die junge Saat das weite Gefilde, und wir würdenvielleicht ein unabsehbar grünes Meer mit leise bewegter Oberfläche vor uns
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