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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Erde aufstechend, hier die Sonne auf den weißen Staub der Kunststraßebrennend, dort zur Seite unter einer Gruppe kühler Bäume ein immer spru-delnder Brunnen und die junge Wäscherin an seinem Rande kniend. Ansolchen Tagen ist in den Dörfern, den Städtchen jedes Haus verlassen, dieBevölkerung sitzt auf offener Straße in häuslicher Arbeit, in rührenden Fa-miliengruppen, der Knabe spielend zu den Füßen seiner Mutter, die Mädchenam Rocken, der Greis unter dem uralten Baum, der schon seinen Großvaterals Kind gesehen. (Viktor Hehn, Reisetagebuch, 1839/1840.)

FRÜHLING IN CHILE

Das Ende des Julimonats erschien, und leichte Ostwinde regten sich. Sietrugen bald den Sieg über die Nordwinde davon, welche immer graue Wolkenvor sich hertreiben, und helle Tage wurden von nun an häufiger. Gereinigtvon Dünsten spannt sich von jener Zeit an das blaue Firmament aus, und nurselten unterbricht eine fliegende Wolke seine Gleichartigkeit. Allein um jeneZeit wird auch des Nachts und in den ersten Morgenstunden die Kühle emp-findlich, und gar nicht selten ist es dann, auf den höheren Bergen den nächt-lichen Reif in der Morgensonne erglänzen zu sehen. Wenn auch unter-scheidbar von den übrigen Jahreszeiten, wird das Frühjahr in Chile dochnicht durch so viele Zeichen verkündet, als in den kälteren Breiten, wo not-wendigerweise die Extreme der Hitze und des Frostes schon durch eine formen-reiche Periode verknüpft sein mußten. Allein wie kurz dauernd die eigent-liche Frühlingszeit in Chile auch sei denn sechs Wochen nach dem Auf-hören der Regen wird auf sonnigen Bergen schon die Vertrocknung vonneuem sichtbar, so ist sie doch von auszeichnender Herrlichkeit. Dasdunkelblaue Meer liegt da, als sei es neu erschaffen aus dem Kampfe derwinterlichen Elemente hervorgegangen. Millionen von Möwen treiben dannihr lustiges Spiel, während der plumpe Pelikan aus schwindelnden Höhenin die Wellen herabstürzt und tief untertaucht durch die Gewalt seines Falles,aber gewiß nicht ohne mit einem Fische zurückzukehren, den sein scharfesAuge in großen Höhen entdeckte. Der Riesenvogel der Welt, der Kondor,verläßt dann die wärmere Küste und fliegt, oft so hoch, daß er nur wie einPunkt erscheint, den Anden zu, in denen er horstet, und deren Schnee ihnallein vertrieb. Freundlich zwitschern die Diucas, kleine Vögel mit dem be-scheidenen Kleide der gemäßigten Klimate angetan, aus dem hellgrünenRebengewinde, welches in den meisten Häusern als Schutzdach den Hof-raum überzieht. Fällt schon am zeitigen Morgen ein milder warmer Strahlder Sonne in das Tal, so ergießt sich eine Glorie der herrlichsten Beleuchtung,und zum ersten Male sieht man Chile in dem schönen Gewände, von demdie Bücher sprachen. Kein dürrer Hügel ist mehr sichtbar, denn eine zauber-haft schnell hervorgetretene Vegetation deckt sie. Eine Pflanze drängt dieandere, und alle scheinen gleich begierig, ihre schönen Blütenkronen nachlanger und geheimer Gefangenschaft unter dem erhärteten Ton der Sonnezu zeigen. Was tot schien, enthielt die Keime eines unendlichen Lebens.Die roten, dürren Bergrücken, oft sogar der hartgetretene Boden einer Heer-

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